Testbericht Moto Guzzi V7 II
Testbericht Moto Guzzi V7 II
 

Testbericht Moto Guzzi V7 II

...ein Mopped für quattro stagioni...

Anläßlich eines Fototermins hatten wir die Gelegenheit, die kleinste aktuelle Guzzi, die V7 II, mal ausgiebig testen zu können. Gleich von Beginn an war klar, dass wir die zierliche Italienerin nicht als Reisecruiser beurteilen bzw. nicht mit dieser Kategorie vergleichen würden. Sie gehört für uns in die Klasse der Yamaha XV 950, Kawa Vulcan 900, Royal Enfield oder MASH - also in die Rubrik der Spaßmoppeds und Großstadtflitzer.

Moto Guzzi V7 II Moto Guzzi V7 II mit Legacy-Taschen von Hepco & Becker

Alles, was zählt: Der erste Eindruck

Es ist wie im wahren Leben, die ersten Sekunden entscheiden über Sympathie oder Ablehnung. In diesem Fall hatte die Due, wie die kleine Italienerin gerne genannt wird, gleich nach dem Drücken des Startknopfes gewonnen.

 

Das Soundmanagment, das die Ingenieure da hingezaubert haben, ist große Klasse. Die Kleine hört sich (im Stand) an wie ne' Große. Gas und Kupplung reagieren ohne jegliche Verzögerung - und beim Gasgeben verspürt man auch hier das guzzitypische "nach Rechts zucken". Würde das Fehlen, wäre sie keine Guzzi mehr.

 

Die "Kleine", immerhin 750 ccm groß, richtet sich gewiß vornehmlich an Guzzi-Neulinge bzw. Wiedereinsteiger und denen sei gesagt: Keine Panik vor dem "nach rechts zucken"; es ist nur marginal spürbar und stellt ganz gewiß kein Risiko zum Umfallen dar...;-) Im Gegenteil, man will es einfach spüren. Das ist vermutlich ein Grund, warum Guzzifahrer aller Typen an roten Ampeln im Leerlauf stets mal Gas geben müssen, sie wollen den Ruck ihrer Guzzi spüren...

Retrolook mit Technik state of the art

Warnleuchten für ABS und Traktionskontrolle Warnleuchten für ABS und Traktionskontrolle

Ok, ein taugliches ABS-System müssen heutzutage alle neuen Moppeds haben. Wir stehen zwar nicht drauf, erkennen es aber als sinnvolles Feature an.

 

Die Due ist mit einem Continental 2-Kanal-ABS ausgerüstet und das bringt sie ad hoc sicher geregelt in den Stillstand. Wie's Vorschrift ist, leuchtet die ABS-Warnlampe beim Start auf und erlischt erst nach Selbstdiagnose.

 

Tolles Feature: Die Bremsleitungen sind serienmäßig stahlummantelt. Ein nachträglicher Umbau auf Stahlflexleitungen (was wir als sinnvoll erachten) ist damit nicht mehr notwendig.

 

Im Cockpit findet man dann noch eine zweite Warnlampe: Die kleine Guzzi hat doch tatsächlich serienmäßig eine Traktionskontrolle on board!

 

Gut, sie ist abschaltbar, aber dennoch stellt sich die Frage, ob Guzzi damit nicht doch etwas über's Ziel hinausgeschossen ist. Ein Fahranfänger oder Wiedereinsteiger wird wohl kaum die Due in solche Grenzbereiche treiben, dass dieses Assistenzsystem aktiv wird und der erfahrene Moppedfahrer sollte das 48 PS-Mofa wohl schon noch in allen Lebenslagen beherrschen können. Keine Ahnung, wem das wirklich etwas bringen soll.

 

Die V7 II hat ein exakt schaltendes 6-Gang-Getriebe und sie leistet aus ihren 750 ccm ausreichende 48 PS. Dank ihres Gewichtes von fahrfertig nichtmal 200 kg beschert sie dem Fahrer bzw. der Fahrerin damit eine ansehnliche Leistung. In der Beschleunigung geht sie ab wie Schmitz' Katze. Sie läßt sich wunderbar leichtfüßig bewegen und eine Fahrt durchs Verkehrsgewusel einer Großstadt wird mit ihr zum reinen Vergnügen.

 

Die Sitzhöhe beträgt 790 mm. Der serienmäßige Sitz eignet sich für den täglichen Berufsverkehr, fürs Schaulaufen zur nächsten Pizzeria oder zum vielleicht fünfzig Kilometer entfernten Badesee - danach meldet sich der eigene Hintern und es wird ne' Kaffeepause fällig. Anders ausgedrückt: Wie schon bei der MASH haben wir das Gefühl, als sei der Sitzbezug ohne Polster gleich auf den Rahmen getackert worden. Abhilfe schaffen da möglicherweise die erhältlichen Sitze aus Guzzi's hauseigenem Zubehörprogramm - oder der nächstgelegene Sattler.

 

Die wesentlichen Daten in der Übersicht:

 

Motor: 90-Grad-V2-Viertakter, 744 ccm, luftgekühlt
Leistung: 35 kW / 48 PS bei 6.250 U/min
Max. Drehmoment: 59 Nm bei 3.000 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 160 km/h
Getriebe: sechs Gänge
Antrieb: Kardan
Tankinhalt: 21 Liter
Sitzhöhe: 790 mm
Gewicht: 198 kg (fahrbereit)
Zuladung: 203 kg
Bereifung: 100/90 R 18 (vorne), 130/80 R 17 (hinten)
Preis: ab 8.500 Euro

Draufsetzen und Spaß haben - unser Fazit.

Genialer Stadtflitzer: Moto Guzzi V7 II Genialer Stadtflitzer: Moto Guzzi V7 II

Mit der kleinen Moto Guzzi V7 II hat man von Anfang an viel Freude.

 

Sie ist wendig, spritzig und bietet Technik auf hohem Niveau. Die Verarbeitung läßt auch im Detail nichts zu wünschen übrig. 

 

Für nichtmal 9.000 Euro erhält man ein Mopped mit ureigenem Charakter und einer langen Historie.

 

Das, was auch eine große Guzzi ausmacht, bietet auch die V7 II - selbstredend auch das legendäre "nach rechts Zucken" und den unvergleichlichen Sound.  

 

Als wir sie das erste Mal sahen, fiel mir als Extra-Wunsch lediglich noch ein Stummellenker ein - und den gibt es tatsächlich im reichhaltigen Zubehörprogramm, das Moto Guzzi gleich mit aufgelegt hat. Ok, und der Sitz natürlich, der dürfte komfortabler sein, aber auch dafür werden Lösungen angeboten.

 

"Unsere" Due hatten wir mit Gepäcktaschen aus der Serie "Be Legacy" von Hepco & Becker ausgestattet. Wir fanden, dass sie wie die Faust aufs Auge zum Mopped paßten. Sie sind schnell montiert, aber auch lässig als Umhängetasche tragbar - und beides sieht auf bzw. an dem Stadtflitzer saugut aus.

 

Apropos Stadtflitzer - Fahrstreifenhopping über mehrere Fahrspuren hinweg macht mit der kleinen Guzzi tierisch Spaß. Sie läßt sich superleicht händeln und reagiert unmittelbar auf die wesentlichen Befehle des Fahrers. 

 

Auch auf ner' Runde durch die Voreifel hat die Due überzeugt. Kurven mag sie in jedem Fall. In ihr steckt viel Potential zum Kurvenräubern - uns ist es tatsächlich nicht gelungen, die Zylinder schleifen zu lassen ;-) - darüber schreiben die 08/15-Redakteure ja meistens gerne. Fährt man übrigens einigermaßen im Bereich der jeweils geltenden Verkehrsvorschriften, gibt es auch für die Traktionskontrolle keine Arbeit.

 

Für einen Fahranfänger oder Wiedereinsteiger ist die Due eine wirklich empfehlenswerte Option. Für alte erfahrenere Langstrecken-Säcke wie mich käme sie in jedem Fall als Zweitmopped in den engsten Kreis der Anwärter. Es war, ist und bleibt halt was Besonderes, eine Moto Guzzi zu fahren. Oder, um es mal mit Martin Luther King zu sagen: I have a dream - eine Guzzi Eldorado für die großen Touren und eine Due für die kürzeren...

 

Die Moto Guzzi V7 II kauft man im Rheinland bei Motorrad LuSt in Köln - sie sind dort nicht bloße Vertragshändler, sondern seit zig Jahren echte "Guzzisti", die gerne und jederzeit mit Rat und Tat zur Stelle sind.

Motorrad LuSt in Köln Motorrad LuSt in Köln

Infos zum Thema:

Druckversion Druckversion | Sitemap Diese Seite weiterempfehlen Diese Seite weiterempfehlen
© reisecruiser.de / reisetourer.de