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Triumph Rocket III Touring - Teil 2

Dann mach' mal die Beine breit, Cowboy...

Größer, wuchtiger und stärker geht's zur Zeit nicht - ok, die in Kleinauflage gefertigten Boss Hoss einmal ausgenommen (auch die sind wir schonmal als V8 mit knapp 6 Liter Hubraum gefahren). Die Triumph Rocket III ist jedenfalls das hubraum- und drehmomentstärkste Serienmotorrad der Welt. 2,3 Liter Hubraum aus drei Zylindern bescheren ein schier unglaubliches Drehmoment von über 200 Nm (bei 2000 U/min). Schaltfaul fahren bei jederzeit abrufbarer abartiger Beschleunigung wird hier neu definiert - und das im 5. Gang. Was das betrifft, ist die Rocket III das Maß aller Dinge.

Was da unter'm Tank verbaut ist, hat die Dimension eines Dosenmotors - gigantische Ausmaße. Der Preis dafür sind ein Gewicht von knapp 400 kg und die einmalige Chance, ein Frauenversteher zu werden, denn man sitzt mit extrem gespreizten Beinen auf dem Teil. Oder, wie es ein Redakteur mal beschrieben hat: So muss es sich für eine Frau anfühlen, wenn sie sich beim Gynäkologen auf den Stuhl setzt...

 

Apropos Sitzhaltung: Für größere Fahrer (ab 1,80 m) dürften die Fußrasten ein Stückchen mehr nach vorne angebracht werden. Die aktuelle Performance ist nicht sehr glücklich gewählt - aber auch das ist ja dank der Zubehörindustrie schnell änderbar.

 

Ein ausdrückliches Lob gibt's schonmal für die Sitze. Fahrer und Sozia sitzen schlichtweg saubequem, auch auf längeren Strecken. Wären keine Zigarettenpausen nötig, könnte man glatt eine ganze Tankfüllung nonstop leerfahren - und das sind immerhin rund 400 Kilometer. Helene meinte gestern schon: "Das ist genau das Richtige, um in einem Rutsch in die Normandie zu cruisen."

 

Die Koffer sind ausreichend groß. Sehr gewöhnungsbedürftig ist jedoch der Schließmechanismus; man muss die Kofferdeckel schon ordentlich "zuknallen", damit sie schließen. Da ist eindeutig noch Verbesserungspotential vorhanden.

 

Alle wichtigen Daten präsentiert das im Tank eingelassene Rundinstrument. Analoger Tacho, analoge Tankanzeige und die notwendigen Kontrollleuchten. Über einen Schalter am rechten Griff kann man noch zwei Tageskilometerzähler, eine Rest-Reichweiteninfo und die Uhrzeit einblenden. Einen Drehzahlmesser gibt es nicht - sowas braucht die Rocket auch gar nicht.

 

By the way, wer von uns braucht eigentlich wirklich einen Drehzahlmesser ? Ich schalte seit eh und je per Gehör und Gefühl und mache das nicht von einer Anzeige des Drehzahlmessers abhängig. Selbst im Extremfall höre (und fühle) ich, wenn ich in die Grenzbereiche komme. Ich bin mir sicher, dass dies für 95 % aller Moppedfahrer gilt. 

Nix für Schwache...

Am Wochenende haben wir die "Rocky III" mal so richtig durch die Eifel gejagt. Es macht einen Heidenspaß, die kurvenreichen Auf- und Ab-Passagen zu durchpflügen - und das sogar extrem schaltfaul, denn auf eines ist Verlaß: Schub gibt's immer satt. Man schöpft immer aus dem Vollen, egal, bei welcher Drehzahl und egal, in welchem Gang. Das mußten auch vier Jungs auf ihren Rennsemmeln erfahren:

 

An einer Ampel in Blankenheim trafen wir aufeinander. Einer meinte zu seinen Kumpels: "Ab jetzt ist die Telefonzelle da der Tourguide, wir machen Pause" - seine Kumpels quittierten das mit lautem Gelächter. Bei grün zogen sie dann mit kreischenden Drehzahlen und einem Wheelie an uns vorbei. Doch, wer zuletzt lacht, lacht am besten: Im knapp dreißig Kilometer entfernten Schuld an der Ahr, beim Bikerpitter, stiegen wir noch vor den Papageien von unserem Mopped. Wir haben selten so dämliche Gesichter gesehen...oder, um es mal auf die feine britische Art auszudrücken: They were not amused. Allerdings müssen wir zugeben, dass wir die Strecke (B 258, Blankenheim - Nürburgring) mit ihren unzähligen Kurvenpassagen auch auswendig kennen, was man von den Jungs, die alle aus dem Kohlenpott kamen, wohl nicht sagen kann.

 

Trotzdem hat die Rocket ihrem Namen alle Ehre gemacht. Sie läßt sich nahezu spielend in die Kurven dirigieren. Solange sie rollt, ist sie sogar sehr leicht zu handhaben. Spannend wird es erst, wenn plötzlich aus einer schmalen asphaltierten Landstraße eine Schotterpiste wird oder wenn man auf engstem Raum rangieren muss.

 

Peinlich wird es allerdings, wenn man sich vor entsprechender Zuschauerkulisse "verparkt" hat.

 

Gestern Abend, beim letzten Eisdielenstopp auf dem Weg nach Hause, hat es uns dann erwischt: Beim Abstellen nicht aufgepaßt und eine minimale Steigung übersehen. Das Ende vom Lied: Ich bekam das Teil nicht mehr alleine von der Stelle weg; vorne war sie inzwischen zugeparkt und nach hinten ging es leicht aufwärts. Der "Aufwärtstrend" war nur minimal, aber es reichte. Zur Belustigung der Eisdielengäste durfte Helene mich dann rausschieben...

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