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Yamaha XV 950 ABS - Bolt

Retro-Fun mit neuester Technik

Sie wurde mit viel "TamTam" von Yamaha angekündigt. In Amerika von Star Motorcycles als "950er Bolt" entwickelt, kam die Yamaha XV 950 ABS nun zu uns über den großen Teich. Von den einschlägigen Motorradmedien wurde sie bislang enthusiastisch gefeiert. So enthusiastisch als sei der neue Messias erschienen - und zwar nicht auf'm Esel, sondern zeitgemäß als Moppedfahrer auf 'ner Bolt. Ob sie so gut ist, wollten wir jetzt auch mal erfahren. An diesem schönen Pfingstwochenende gehörte sie uns.

Da Helene und ich noch damit beschäftigt sind, die Vorzüge der Royal Star zu erfahren, übernahmen Anja & Andreas dieses Mal den Part der Tester. Wir waren ganz besonders auf Anja's Meinung gespannt - sie fährt ansonsten leidenschaftlich gerne ihre V-Strom durch die Landschaft. Das ist dann schon ein bedeutender Unterschied beim Umstieg...

Das Experiment nimmt seinen Lauf...Anja's Bericht:

Yamaha XV 950 ABS by reisecruiser.de Erstes Beschnuppern: Anja & Bolt

Seit einer Woche freue ich mich schon auf das Experiment: Von meiner Sport-Enduro Suzuki V-Strom umzusteigen auf einen Cruiser im Bobber-Style - der Yamaha XV 950 Bolt. Ich fahre seit 5 Jahren aktiv Motorrad und dies ist meine erste Erfahrung mit einem Motorrad dieser Art.

 

Neben der täglich wachsenden Vorfreude mischt sich langsam die Spannung und die Frage, ob ich mit der Sitzposition zurecht komme und wie lange es dauert, bis ich locker damit um die Ecke biegen kann. Am Freitagnachmittag ist es dann endlich soweit. Nach der Arbeit schnell nach Hause, Klamotten umgezogen und auf die Suzi geschwungen, um zu Ralf zu fahren und den Tausch zu machen.

 

Da steht sie im Hof und wartet auf mich. Sie steht in Vollausstattung vor mir und glänzt mich an. Das Bild, das ich vorher im Internet gesehen hatte, wird der Erscheinung in Realität nicht gerecht: Sie sieht noch viel besser aus.

 

Schnell einmal aufgesetzt und angemacht. Wow, was für ein Sound. Ralf warnt mich vor, dass es auf den ersten Metern schon ein wenig komisch ist, die Füße vorne zu haben. Aber nach dem ersten Kilometer macht es nur noch Spaß, bereitet er mich vor.

 

Also, nicht mehr lange warten, kaum eine halbe Stunde und einen Kaffee später, machen mein Mann Andreas und ich uns auf den Weg. Ralf und Helene winken uns zum Abschied. Wir werden uns am Sonntag für eine gemeinsame Tour wieder sehen.

 

Zum warm werden wählen wir eine Strecke mit wenig Kurven und fahren von Köln nach Jüchen. Das erste Anfahren unterscheidet sich doch sehr von meinem gewohnten Motorrad. So, wie ich das Gas bediene, kommt der Anzug etwas später, dafür mit ordentlich Druck. Hier machen sich die ungewohnten 950 Kubik bemerkbar. Ich fahre bis zum Ende der Straße und biege links ab. Die Bolt reagiert ganz leicht. Die erste Freude wächst, dass es klappt. Am Anfang suche ich hier und da noch den richtigen Gang und treffe auch beim zweiten und dritten Anfahren nicht direkt den Hebel. Aber es wird unheimlich schnell immer besser.

 

Schon im zweiten Kreisverkehr lege ich so eine gute Kurve hin, so dass mein Mann ganz begeistert ist, wie geschmeidig die Bolt unter mir fährt. Ich bin ein bisschen nervös, da wir uns als Ziel den Polo Laden ausgesucht haben, wo massig Motorradfahrer vor der Tür sitzen, die Ausschau auf neu Ankommende halten. Um auf den Parkplatz zu fahren, schalte ich in den ersten Gang. Ich lerne, dass ein Motorrad mit einem tiefen Schwerpunkt auch in langsamer Geschwindigkeit sicherer beherrschbar ist und so gleite ich stolz wie Oskar an den Motorradguckern vorbei und bin die größte als ich absteige – das Grinsen ist nicht mehr aus dem Gesicht zu wischen.

 

Ich bin ganz hin und weg und muss erst mal noch ein Foto machen, das ich schnell im Internet posten muss. Nach ein bisschen bummeln und einer Cola machen wir uns wieder auf den Weg nach Hause. Ein paar Ecken später setze ich das erste Mal in einer Rechtskurve auf. Huch, so ist das also. Meinen Fahrstil muss ich da wohl noch ein bisschen anpassen. Als wir später zuhause ankommen, bin ich hin und weg und freue mich auf den Ausflug am Sonntag, um die Bolt im Kurveneinsatz zu entdecken...

Mopped mit Herz & Technik...

Die Temperaturen steigen heute an die 30 Grad Marke und ich probiere heute nicht nur die Bolt im kurvigen Gelände, sondern auch das erste Mal meinen neuen Jet-Helm aus. Denn dieser passt einfach besser zur Bolt als der Klapphelm und das Wetter ist perfekt.

 

Wir starten heute von der Westfalentankstelle in Köln-Bocklemünd und es geht an den oberen Rursee.

 

Hier wartete eine sehr schöne Kurvenstrecke auf uns und eine Überraschung auf mich. Denn ich komme mit dem tiefen Schwerpunkt und der veränderten Sitzposition erfreulich gut zurecht.

 

In jeder Geschwindigkeit vermittelt die Bolt die Sicherheit, dass sie beherrschbar ist und dies steigert in mir Kurve um Kurve die Freude sowie Lust am Fahren. So langsam komme ich ins Grübeln, wie bringe ich es meiner treuen Suzi bei. Habe ich mich etwa verliebt?

 

Wichtig ist mir heute neben dem Kurventest, ob ich es auch über eine längere Strecke gut aushalte, in der ungewohnten Sitzposition zu fahren. Und siehe da, auch das funktioniert einwandfrei. Knappe 200 km haben wir heute vollbracht und ich sitze richtig gut. Hier kann ich getrost empfehlen, dass auch eine 180 cm große Fahrerin – so wie ich - bequem mit dieser Maschine fahren kann, ohne etwa die Fußrasten anpassen zu müssen. Apropos Fußrasten: Heute war es dann auch bei einer Linkskurve soweit. Nun weiß ich ja wie weit ich runter kann und ich habe mir sagen lassen, dass die mögliche Schräglagenfreiheit der Bolt im Vergleich zur Harley Sporty etwa um knapp 3 cm größer ist. Dies bedeutet, dass man mit der Bolt ordentliche Kurven fahren kann.

 

Dennoch war ich natürlich vorsichtig, nicht in jeder Kurve die Fußraste zu kratzen und habe stattdessen das Gelernte aus dem Fahrsicherheitstraining angewendet und die Kurven ein wenig mehr mit Hineinlehnen des Oberkörpers gefahren. Das geht wirklich prima.

 

Prima funktioniert auch das Rangieren beim Parkmanöver. Trotz ihrer 251 kg ist sie absolut leicht zu händeln. Was heute glücklicherweise nicht zum Einsatz kam, aber serienmäßig zur Ausstattung gehört, ist das ABS. Dies ist gegenüber vielen Vergleichsmodellen der Konkurrenz ein entscheidender Vorteil für die Kaufentscheidung.

 

Nach Hause zurückgekehrt, machen wir uns daher auch direkt im Internet auf die Ausstattungsseite der Bolt her, um zu sehen, welche zusätzlichen Ausstattungsvarianten interessant sein könnten. Sicherlich prima wären die Motorschutzbügel sowie Highwaypads, um bei längeren Fahrten die Füße darauf abzulegen. Je nach Einsatz, zum Beispiel bei Tourenfahrten käme auch ein Windschild in Frage.

 

All dies und noch viel mehr bietet der Zubehörbaukasten für dieses Motorrad. Letztendlich ist es auch dafür gebaut, dass es customized wird.

 

Mein Fazit nach der heutigen Tour: Ja, ich habe mich verliebt. Die Bolt hat Herz und die passende Technik. Sie und ich fanden in den Kurven in die Symbiose und ich habe sicherlich ein paar schlaflose Nächte vor mir, um zu sehen wie es mit ihr und mir weitergehen kann, nachdem ich sie am Dienstag wieder abgeben werde.

Hog oder Yog - alles eine Frage der Philosophie...

...natürlich wird das jetzt keinen eingefleischten Harleyfan überzeugen - muss es ja auch nicht. Es muss auch Leute geben, die bei der Auswahl des Moppeds die Schwerpunkte auf den Mythos der Marke und ein ausgefeiltes Merchandising legen.

 

Aber es darf halt auch welche geben, denen die Technik state of the art sehr wichtig ist. Wer zu den Erstgenannten gehört, ist mit einer Sportster sicher bestens bedient. Dies umso mehr, weil beide Modelle in der Grundversion preismäßig gar nicht so weit auseinander liegen (HD Sportster 9.375 € / Yamaha 8.895 €). Die von uns gefahrene Version kostet auf Grund der montierten Akrapovic-Anlage, der vielen Messingapplikationen und des Solositzes schon gleich stolze 11.500 €. 

 

Eine Basis für umfangreiches Customizing bieten beide, aber Harley dürfte den dickeren Zubehör- und Fanartikelkatalog haben...;-)

Infos zum Thema:

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