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"Wild Hog"-Tour zur Baraque Michel

Winterliche Motorradtour ins Hohe Venn

Eine kleine Gruppe Kölner Motorradfahrer hatte uns vor ein paar Tagen netterweise zu einer "Wildschwein-Tour" nach Belgien eingeladen. 

 

Quer durch die Eifel und durch das Hohe Venn sollte es zur legendären "Baraque Michel" gehen, um dann dort zünftig eine Wildsau ("Wild Hog") zu verspeisen - naja, zumindest Teile davon...

 

Im weiteren Verlauf stellte sich dann heraus, dass diese Gruppe allerdings Rücksicht auf ihre Saisonkennzeichenfahrer nimmt und deswegen erlaubt, dass die "Weicheiabteilung" in Dosen mitfahren kann.

 

Das ist an sich ja nichts Verwerfliches, aber die Konsequenz aus dieser Entscheidung lautete für die Gruppe, dass sich die Moppedfahrer dem Tempo und Fahrstil der Dosenfahrer anzupassen haben...

 

Die Motorradparadiese Eifel & Hohes Venn mit dem Mopped, aber im Fahrstil einer Dose durchqueren ? Hä ? Was soll das denn ? Das ist ja so, als würde ich in einer Moschee laut schmatzend ein Spießbratenbrötchen verdrücken wollen. Wenn schon Autos mitfahren, hätte man sich doch trennen können und hätte sich am Zielort wieder getroffen.

 

Naja, müssen sie selber wissen, für uns war die Teilnahme damit erledigt, aber das Thema nicht. Also sind wir kurzerhand selber dahingefahren.

Kalt, Kälter, Schnee...

Wir trafen uns am Sonntagmorgen mit drei Moppeds am vereinbarten Treffpunkt in Köln. Zwei Düsseldorfer auf zwei GS'en und wir, mit unserer R 1100 RT. Ein Rollerfahrer, der auf Facebook von der Tour gelesen hatte, kam auch noch vorbei - aber nur, um mal zu gucken, wie er meinte. Mitfahren wollte er nicht. Naja, vielleicht beim nächsten Mal...

 

Da die Anfahrt zur Baraque Michel knapp 120 Kilometer lang ist, teilten wir sie "kältebedingt" in drei Etappen auf:

 

Von Köln aus ging es nach Nörvenich, zur Gaststätte "F 104" am Militärflugplatz, von da aus zur Abtei Mariawald in Heimbach und die letzten fünfzig Kilometer in einem Rutsch zur Baraque Michel in Jalhay.

 

Auf der relativ geraden Strecke nach Nörvenich pfiff uns zwar der kühle bzw. kalte Wind um die Ohren, aber das Fahren ging problemlos; die Straßen waren in einem guten Zustand. Nörvenich erreichten wir zügig. Keine 200 Meter von der Landebahn der heutigen Eurofighter (früher landeten dort die F 104-Starfighter) entfernt, befindet sich die Kneipe, das Restaurant oder Café "F104" von Hans-Peter "Pitter" Esser - einem kölschen Urgestein, das schon mit Willy Millowitsch auf der Bühne stand. Ein absolutes Muss, wenn man mal in der Nähe ist !

 

Noch brauchten wir nicht viel Zeit, um uns aufzuwärmen und so fuhren wir nach einer kurzen Kaffeepause im "F104" weiter über die B 477 in Richtung Zülpich.

 

Kurz hinter Zülpich bogen wir rechts ab auf die B 265; in Richtung Heimbach und zu den ersten Ausläufern der Rureifel - und damit eigentlich in ein wahres Kurvenparadies. Das trifft allerdings nur im Sommer zu. Dieses Mal waren die Kurven zwar auch noch da, aber die Strecke war mit Vorsicht zu genießen: Der Asphalt auf der kurvenreichen Passage kurz vor dem Kloster glänzte an manchen Stellen verdächtig. Wir zollten dem natürlich Respekt und ließen es vergleichsweise ruhig angehen. Ein paar hundert Meter vor der Abtei Mariawald fing es dann auch an, leicht zu schneien. Wir waren erstmal froh, in der Klosterschänke etwas Warmes trinken zu können.

 

Ein Autofahrer fragte uns ehrfürchtig, ob wir Winterfahrer seien. Klar, wir sind die ganz Harten und haben Saisonkennzeichen, von Oktober bis März...

Barack Obama läßt grüßen...

Das Kloster, das sich im Sommer übrigens immer mehr auch zum beliebten Bikertreffpunkt mausert, ist das einzige Trappistenkloster in Deutschland. Ok, diese Info war für uns jetzt nicht so ausschlaggebend. Aber die Jungs in ihren Kutten haben da noch was anderes drauf, als nur zu beten: Sie betreiben dort auch eine Schnapsbrennerei und produzieren da den einen oder anderen edlen Tropfen - glücklicherweise nicht nur zum Eigenverbrauch.

 

Nachdem also noch die obligatorischen "Trappisten-Abtei-Tropfen" in die Koffer wanderten, machten wir uns weiter gen Westen auf den Weg. Leider wurde das Wetter kaum besser - obwohl, fair betrachtet muss man zugeben, dass es für Januar in der Rureifel noch ziemlich human war. Es war zwar bewölkt und - gefühlt - saukalt, aber das Thermometer an Hansi's moderner GS zeigte irgendwas um -1° an. Mal mehr, mal weniger. Zum Glück hörte es aber auf zu schneien.

 

In Belgien glänzte auch der Asphalt nicht mehr, d.h. die Straßen waren trocken und wir konnten es wieder etwas zügiger angehen lassen. Unser Ziel, die legendäre Baraque Michel, lag knapp 20 Kilometer hinter der Grenze, mitten im belgischen Nationalpark "Hohes Venn". Durch den Nationalpark führen nicht allzu viele Straßen. Es gibt eine Straße quer durch den Park (N 67) und jeweils eine nördliche oder eine südliche Umrundung. Wir nahmen die südliche Strecke, über die Nationalstraßen N 669 und N 647.

 

Dass das Gebiet nicht immer nur als Nationalpark genutzt wurde, sondern auch lange Jahre als Truppenübungsplatz und Aufmarschgebiet diente, belegen an und ab die Kreisverkehre: Dort stehen dann schonmal ehemalige Kriegsgeräte wie Panzer oder Flak im Mittelpunkt des Kreisels - das müßten wir in Deutschland mal bringen...

 

Um kurz nach zwölf Uhr erreichten wir jedenfalls die Baraque Michel - die kurzerhand in "Barack Obama" umgetauft wurde.

 

In der alten Herbergstätte orderten wir dann die obligatorische Wildsau - in Form von Wildschein-Frikadellen. Sie schmeckten "saugut". Zwar mit 15 Euro nicht gerade preiswert, aber eben saugut.

 

Zu den Frikadellen gab es belgische Pommes und Rotkohl, aber keinen Senf. Senf war dann auch das Stichwort für die beiden Düsseldorfer und die Planung unserer Rückfahrt (Anm.: Wir meinen ja immer, dass Düsseldorf nix zu bieten hat - in dem Punkt müssen wir uns korrigieren: Der Löwensenf aus Düsseldorf ist unschlagbar ! Meinen sogar wir)

Wie gesagt, Senf war das Stichwort für die Planung der Rückfahrt...

Da keiner den selben Weg zurückfahren wollte, wie wir gekommen waren, überlegten wir uns eine alternative Route. Einen kurzen Moment dachten wir darüber nach, noch durchs herrliche Ourtal zu fahren, verwarfen diesen Gedanken jedoch angesichts der Temperaturen und der fortgeschrittenen Zeit.

 

Stattdessen ging die Rückfahrt via Monschau und Nideggen. In Monschau hielten wir dann auch an der historischen Senf-Mühle. Zwischen alten Mühlsteinen wird dort noch heute, wie in alter Zeit Moutarde de Montjoie, der Monschauer Senf, handwerklich hergestellt. Das kleine Restaurant neben der Mühle war geschlossen, dafür war der "Mühlen-Laden" geöffnet. Wir gingen rein, nichtzuletzt auch, um uns etwas aufzuwärmen. Nach einer Runde durch den Laden, vorbei an "Monschauer Langfingern" (Würstchen), Ardennenschinken und jeder Menge Eifelschnäpse, wanderten dann noch zwei edle Liköre in die Koffer. Helene konnte einer Flasche "Marula-Sahne-Likör" und einer Flasche "Champagner-Trüffel-Likör" nicht widerstehen.

 

Langsam wurde es draußen grauer - und wieder kühler, wie wir meinten. Zum nächsten Stopp - dem Bikertreff "Green Mile" in Nideggen - waren es rund dreißig Kilometer. Das war auch trotz der Kälte in einem Rutsch zu schaffen. Die Gegend um Nideggen, normalerweise ein Anlaß zur fröhlichen "Kurvenhatz" rund um den Rursee, bescherte uns mal wieder glänzenden Asphalt, so dass wir wieder etwas gemächlicher unterwegs waren. Noch ein Kaffee zum Aufwärmen im "Green Mile" und dann zog es uns nach Hause - in den warmen Whirlpool...

Reisetourer's Fazit:

 

Ok, es war zwar kalt, stellenweise saukalt, aber die Fahrt hat trotzdem Spaß gemacht - und die Wildschwein-Frikadellen waren es wert. Die Aufteilung in einzelne Etappen á 30-50 Kilometer bis zum jeweils nächsten Kaffeestop war sinnvoll angesichts der Temperaturen. Irgendwie sahen wir das Ganze dann auch als eine Art Härtetest für eine geplante Nordkap-Reise an...;-)

 

P.S.: Die "Kölner Motorrad-Saisonkennzeichen-Dosenfahrer" haben wir in der Barack Obama nicht gesehen; ihnen war's wohl selbst in der Dose zu kalt. Wir sind übrigens nur einem einzigen anderen Motorradfahrer begegnet - natürlich (?) auf einer GS...

Links zum Thema:

 

Gaststätte "F 104" in Nörvenich - Pitter's Kultgaststätte am Flugplatz

 

Homepage der Baraque Michel - die legendäre Herberge im Hohen Venn

 

Senfmühle Monschau - nicht nur Senf gibt es hier

 

Bikertreff "Green Mile" in Nideggen - ein "Muss" am Beginn der Rureifel

 

Tourbericht "Wasser, Senf & Likör" - unsere Tour rund um den Rursee

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