Laetare in Stavelot | Motorradtour Belgien | reisecruiser.de
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Motorradtour zum Laetare in Stavelot

Et kütt wie et kütt - oder: Was zu ist, ist zu...

Nachdem knapp eine Woche zuvor in der Schweiz über zwanzig belgische Schulkinder bei einem Busunfall verunglückten, kam im Vorfeld die Frage auf, ob es nicht pietätlos wäre, eine Motorradtour zum Karneval ins belgische Stavelot zu veranstalten. Bereits angemeldete Mitfahrer hatten deswegen schon wieder abgesagt. Die restlichen Teilnehmer diskutierten diese Frage am Treffpunkt und wir kamen schnell zu folgendem Entschluß:

 

Man muss auch nicht päpstlicher sein als der Papst - soll heißen: Die Belgier hatten das Event selber nicht abgesagt, sondern freuten sich auf die Besucher. Mit einer Schweigeminute sollte der Unfallopfer gedacht werden. Also fuhren wir hin.

 

Insgesamt waren knapp über zehn Fahrer angemeldet. Wegen der unklaren Wetterlage gingen dann am Sonntagmorgen noch einige Absagen per SMS ein, sodaß wir am Ende mit sieben Motorrädern von Köln aus losfuhren. Ein echtes Kompliment an die "Nichtmitfahrer" - es ist hilfreich, wenn abgesagt wird, denn so brauchten wir nicht unnütz zu warten. Das hatten wir schon ein paarmal ganz anders erlebt.

 

Heute war es mal wieder eine reine "blau-weiße" Veranstaltung:

 

Carl & Rahel aus Gummersbach mit ihrer R 1200 RT, Dieter aus Oberhausen auf seiner 1200 GS, Uwe aus Neuss auf seiner K 1200 GT, Bernhard aus Ratingen auf einer R 1200 RT, Andreas aus Köln auf seiner 1200 GS ADV, ein weiteres Pärchen mit einer R 1200 RT sowie wir mit unserer 1100 RT. Wir fuhren voraus und Andreas machte den Lumpensammler sowie den Blockierer auf der Autobahn und an Kreuzungen - vielen Dank dafür !

 

Zur schnelleren Überbrückung der platten Kölner Bucht wählten wir die Autobahn bis Lechenich. Von da aus ging es knapp dreißig Kilometer durch die Felder von Erftstadt bis nach Nideggen zum Bikertreff "Green Mile" - hier sollte eine erste Kaffeepause stattfinden. Sollte, denn es war geschlossen. Der Bikertreff hat erst ab April Sonntag morgens geöffnet. Das war dann mal der erste Beweis für das kölsche Grundgesetz: Et' kütt' wie et' kütt' - Planänderungen sind bei uns eher die Regel als die Ausnahme.

Was zu ist, ist zu...Lollies statt Panzer in Malmedy

Die Tourteilnehmer verziehen uns den Recherchefehler gnädig und wir beschlossen, gleich weiter bis nach Belgien zu fahren. Der nächste Stopp sollte (!) am historischen Militär-Museum "Baugnez 44" bzw. an der dortigen Brasserie in Malmedy stattfinden - und auch dies war geschlossen. Langsam wurde es peinlich.

 

Glücklicherweise befand sich direkt neben dem Museum ein Feinkostladen, der geöffnet war. In einem Wintergarten vor dem Laden hatten die Inhaber auch noch ein Café eingerichtet; zum Glück ebenfalls geöffnet. 

 

Magda & Pierre wunderten sich tatsächlich, dass sich Sonntag morgens ein Haufen Motorradfahrer aus Deutschland zu ihnen verirrte. Schnell rückten sie die Stühle zurecht und schafften einen Heizstrahler herbei.

 

Nachdem wir den ersehnten Kaffee bekommen hatten, brachte Pierre noch eine kleine Käseauswahl zum Probieren an den Tisch. Das wallonische Schlitzohr betätigte sich damit erfolgreich als Rattenfänger, denn zuerst folgten ihm - natürlich, wie soll's auch anders sein - die Frauen in seinen Laden und später waren wir dann alle drin. Für Feinschmecker war (und ist) der Laden bestens sortiert.

 

Am meisten interessierten mich jedoch die Lollies mit echten Skorpionen, von denen ich mir mal drei mitnahm - probiert habe ich allerdings noch keinen. Einige von uns stopften sich ihre Seitenkoffer noch mit Käse voll. Der Käse entwickelte übrigens solch' ein Geruchsaroma, dass unsere beiden Hunde beinahe bewußtlos umkippten, als ich bei unserer Rückkehr den Koffer öffnete - das kommt davon, wenn man seine Nase überall ungefragt reinsteckt...

Der Veedelszoch von Stavelot

Während tausende Dosenfahrer ihre Kutschen weit außerhalb der Stadt abstellen und kilometerweit zu Fuß ins Zentrum gehen mußten, wurde unsere Gruppe freundlich durch die Absperrung geleitet und wir konnten bequem und nur knapp dreihundert Meter entfernt vom Zentrum des Geschehens parken.

 

Das ist unter anderem das, was wir in Frankreich und im "französischen" Teil Belgiens so lieben: Das Verständnis für Motorradfahrer. Da könnten sich deutsche Ordnungsbehörden mal ruhig eine Scheibe von abschneiden...

 

Da einige vorige geplante Stopps ja ausgefallen waren, waren wir ziemlich früh in Stavelot. Wir hatten also Zeit, gleich am Anfang der Altstadt erstmal wieder die belgischen Pommes zu probieren. Ein MUSS, wenn man in Belgien unterwegs ist, denn von hier traten sie ihren Siegeszug um die Welt an und nur hier gibt es die Echten und Originalen. Pommes rot-weiß heißt hier übrigens "Pommes mit Schranke".

 

Wir waren allerdings sehr früh angekommen und so bedeutete dies, dass wir uns erstmal die Füße platt standen, bis endlich der Zug losging. Zum Glück wurde uns das Highlight, eine Tanzgruppe aus Trinidad & Tobago, gleich zu Beginn präsentiert.

 

Die haben zwar alle freundlich gelächelt und sich trotz ihrer schweren Kostüme nach karibischen Rhythmen bewegt, aber irgendwie war ihnen dennoch anzusehen, dass sie sich im sehr kühlen Belgien angesichts winterlich gekleideter Zuschauer doch irgendwie fehl am Platze vorkamen.

 

Was nach diesem farbenfrohen Spektakel dann folgte, hatte irgendwie was von den Kölner "Schull- un Veedelszöch" - es riß zumindest die Herren der Schöpfung kaum vom nichtvorhandenen Hocker. Als der Zug dann auch noch ewig lange stockte, realisierten unsere Sozias beim Blick in unsere Gesichter, dass es vielleicht doch ganz gut ankäme, wenn sie den Vorschlag machen würden, wieder zu fahren. Wir gönnten uns noch einen Kaffee in der Altstadt von Stavelot und kamen dann endlich zum eigentlichen Highlight des Tages: Die kurvenreiche Fahrt durchs Hohe Venn und die Rureifel.

Kurvenparadies Hohes Venn und Rureifel

Bei allen Ausfällen am heutigen Tag, aber das hatten wir vorher ganz gut hinbekommen: Die Planung einer interessanten Strecke für die Rückfahrt. Wer das Hohe Venn nicht kennt, der wird viel zu schnell auf breit angelegte Nationalstraßen geführt und das Fahren kann schnell langweilig werden - ok, das gilt jetzt nicht für Goldwing-Kapitäne und Eisenhaufen-Piloten, denen kann die Straße ja nicht breit genug sein...

 

Wir jedoch wählten für die Rückfahrt überwiegend kleinste Wege, die gerade soeben noch das Prädikat "Straße" verdient hatten. Den Gs'en von Andreas und Dieter machte dies natürlich nix aus, unserer ollen RT ebenfalls wenig; der eine oder andere mit modernem, computergesteuertem Fahrwerk bekam hier jedoch endlich mal die Gelegenheit, diverse Fahrwerkseinstellungen und Dämpferwege live und im realen Einsatz zu testen...

 

Weit abseits der Nationalstraßen fuhren wir wieder gen Osten in Richtung Rursee und Nideggen. Bis zur Überquerung der deutschen Grenze sahen wir kaum ein Auto und konnten uns fahrerisch so völlig frei entfalten, aber leider versperrten uns ab der Grenze dann zahlreiche "Sonntags-Dosenfahrer" den Spaß bei der Auffahrt nach Nideggen. Im Schleichgang wurden die Kurvenpassagen "abgearbeitet", ein gefahrloses Überholen war leider nicht möglich. Das ging erst wieder auf den endlos langen Geraden zwischen Nideggen und Nörvenich - die nutzten wir dann auch mit maximalmöglichem Toleranzwert.

 

Als letzter Stopp wurde das "F 104" in Nörvenich auserkoren. Wir haben schon öfter darüber berichtet. Das Kuriositätenkabinett von Peter "Pitter" Esser muss man mal erlebt haben. Unsere Mitfahrer, die den Laden noch nicht kannten, fragten sich skeptisch, ob man dort wirklich den Mut aufbringen sollte, sich etwas zu Essen zu bestellen. Doch sie wurden eines besseren belehrt: Die Qualitäten der Küche stehen im völligen Gegensatz zur Optik des Restaurants.

 

Ach ja, das Wetter hielt fast den ganzen Tag. Es war zwar recht kühl und bewölkt, aber fahrbar. Erst als wir das Rheinland wieder erreichten, öffnete der Himmel seine Pforten - und unsere Mitfahrer, die noch ein ganzes Stück bis nach Hause fahren mußten, sind sicher ziemlich nass geworden.

Reisetourer's Fazit:

Den Karneval bzw. Laetare von Stavelot kann man sich mal ansehen; wir müssen dies jedoch nicht unbedingt wiederholen.

 

Die Motorradtour ins Hohe Venn hat jedoch insgesamt Spaß gemacht. Hervorzuheben ist der eher zufällig gefundene Feinkostladen von Magda & Pierre, da fahren wir unter Garantie nochmal hin. Über die tollen Kurvenpassagen im Hohen Venn, abseits der Nationalstraßen, braucht man nicht viel zu sagen: Ein Motorradparadies ! Statt zwei Stunden auf den Umzug in Stavelot zu warten, wären wir mal besser zwei Stunden durch die Gegend gefahren...

Links zum Thema:

Bikertreff "Green Mile" - in der Zeit von Okt.-April Öffnungszeiten recherchieren !

 

Baugnez 44 - das Milität-Museum in Malmedy

 

Amont Chiniss - der Feinkostladen von Magda & Pierre 

 

Infos zum Laetare - der Karneval in Stavelot

 

F 104 - Pitters Kultgaststätte in Nörvenich

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