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Calvados, Bunker & Camembert

Ein Motorrad-Wochenende in der Haute-Normandie und im Pas de Calais

Der diesjährige Sommer war zwar besch..., dafür waren die Herbstwochenenden umso schöner. Wie schon an den vergangenen Wochenenden hatten wir auch jetzt wieder Glück mit dem Wetter:

 

Petrus spendierte uns Sonnenstrahlen ohne Ende und daher auch tagsüber angenehme Temperaturen. An diesem letzten Oktoberwochenende fuhren wir in die Haute-Normandie und ins Pas de Calais.

 

Durch die nördlichsten Regionen Frankreichs, vorbei an der rauhen Atlantikküste und den Ruinen des ehemaligen Atlantikwalls bis "hinauf" nach Calais und Brügge, der Schokoladenstadt im belgischen Westflandern, führte uns diese Motorradtour. Die Tour verwöhnte uns mit fahrerischen, kulinarischen und geschichtlichen Highlights, was will man mehr.

 

Ab halb acht trudelten morgens die Teilnehmer in Köln am vereinbarten Treffpunkt ein: Dirk aus Bad Königshofen auf seiner R 1200 GS Adventure, Uli aus Essen auf seiner R 1200 GS, Anja & Andreas aus Köln auf ihrer R 1200 GS Adventure und wir natürlich mit unserem Reisetourer R 1100 RT. Reiner Zufall, dass es sich bei allen Motorrädern um BMW handelte.

 

Um relativ zügig nach Frankreich zu kommen, wählten wir für den Anfang die Autobahnen; von diesem Teilstück gibt es natürlich nichts zu berichten; abgesehen davon, dass wir kurz nach der Abfahrt wieder eine BMW-übliche Bastelstunde einlegen mußten: An einer der GS'en hatte sich die Abblendlichtbirne verabschiedet. Es war eine umständliche und langwierige Fummelei, diese mal eben zu ersetzen. Damit bot uns diese 12er Adventure halt zu Anfang schon ein kleines Adventure...

 

Nach diesem unbedeutenden Zwischenfall fuhren wir dann aber zügig und pannenfrei weiter. Ab Douchy les Mines fuhren wir über Landstraßen durch die Region Pas de Calais weiter bis nach Arras. In einem Bistro am Place des Héros gönnten wir uns dann eine etwas längere Pause, bevor wir zur Atlantikküste aufbrachen. Von Arras aus waren es noch knappe zweihundert Kilometer bis zum Atlantik.

 

Perfekt ausgebaute Landstraßen erwarteten uns auf dem letzten Teilstück nach Dieppe. Beeindruckend war für uns, dass die Autofahrer in dieser Region scheinbar allesamt ein Herz für Motorradfahrer haben: Bereitwillig wurde uns zigmal Platz gemacht, damit wir locker überholen konnten und entgegenkommende Lichthupen warnten uns ein ums andere Mal zuverlässig vor den Kontrollen der französischen Rennleitung, von denen wir dadurch einige unbehelligt passierten.  

Das große (Fisch-)Fressen in Dieppe...

Nach knapp fünfhundert Kilometern erreichten wir in der Abenddämmerung den Atlantik und die Hafenstadt Dieppe, unser Tagesziel im nordöstlichen Zipfel der Normandie.

 

Noch ein paar "Sonnenuntergangsfotos" am weitläufigen Strand (es war Ebbe) und schon checkten wir in unserem Hotel "Crocus Dieppe Falaise" am Stadtrand ein.

 

Es war ein einfaches, aber preiswertes und sauberes Hotel und es bot einen abgeschlossenen Parkplatz für unsere Maschinen sowie kostenfreies WLAN.

 

Für eine Nacht reichte das vollkommen. Allerdings sollte man beim Check-In nach einem Zimmer zur Rückseite fragen oder aber die schweren Vorhänge vor den Fenstern dicht zuziehen, denn die Leuchtreklame des Hotels ist ziemlich grell.

 

Eine halbe Stunde nach unserer Ankunft und nach einem Pastis in der Hotellounge wechselten wir dann die Fahrzeuge; im Taxi ging es wieder runter zum Hafen, zum Fischessen. An der Hafenpromenade, am Port de Plaisance, reiht sich ein Restaurant verlockend ans andere und wir wählten für uns das "L'Epave" aus, da es gerade noch soeben Platz für sechs Leute bot.

 

Was uns da erwartete, könnte man wesentlich zutreffender als "Fisch-Fressen" beschreiben, denn was man uns da für relativ kleines Geld auftischte, sorgte fast dafür, dass sich die Tischplatte bog. Eine Aufzählung aller Fisch- und Seafoodsorten würde hier glatt den Rahmen sprengen - es war alles dabei und alles war einfach nur lecker.

 

Abgerundet wurde die Völlerei dann durch die drei C's: Crème brûlée, Camembert und Calvados. Der Kellner servierte uns eine Calvados-Hausspezialität mit zwei Stückchen Würfelzucker neben dem Glas.

 

Keiner von uns wußte, was der Zucker zu bedeuten hat und wir guckten uns nur ratlos an. Anstatt aber den Kellner zu fragen, wie wir diese Spezialität genießen sollten, versenkten wir die Würfel einfach im Glas und tranken es dann aus. Der Kellner sah das und verzog sein Gesicht dabei - ich möchte nicht wissen, was er da über uns gedacht hat.

 

Hinterher erklärte er uns dann, dass man die Würfelzucker nur kurz ins Glas hält und dann wieder beiseite legt. Das hätte er uns ja auch vorher sagen können. Jetzt sind wir halt schlauer und bestellen demnächst den Calvados profimäßig nur noch mit Würfelzucker.

 

Das L'Epave am Hafen kann man aber getrost jedem empfehlen; es ist ein kulinarisches Erlebnis und ein Highlight eines Dieppe-Besuches. Wenn man mit einer Gruppe unterwegs ist, empfiehlt sich eine telefonische Reservierung, denn der Laden ist ständig voll. 

Cruisen an der Küste...

Am Samstag fuhren wir morgens erstmal wieder per Mopped zum Hafen, um uns den kleinen Fisch- und Gemüsemarkt anzusehen. Klar, dass da schon der eine oder andere Seitenkoffer mit Flaschen und Camembert gefüllt wurde.

 

Dieppe ist zwar nicht das Zentrum von Calvados und Camembert, aber die Regionen der beiden Produkte liegen nicht weit davon entfernt im Hinterland - und so ist es klar, dass man auch in Dieppe diese leckeren französischen Erzeugnisse nahezu an jeder Ecke kaufen kann.

 

Wie gesagt, wir kauften reichlich und es ist nicht überliefert, ob es jeder Käse und jede Flasche bis nach Deutschland geschafft hat, oder ob der eine oder andere unterwegs nicht doch schon davon genascht hat...


Von Dieppe aus fuhren wir "schwer" beladen über kleine Landstraßen durch abgelegene Bauerndörfer und kleine romantische Hafenstädtchen wie Le Tréport, Saint-Valery-sur-Somme und Boulogne-sur-Mer ostwärts bis in die Region Pas de Calais. Windschiefe Häuser, die teils schon jahrhundertelang den Küstenstürmen trotzen und Kirchen, in denen unzählige kleine Gedenktafeln hängen, die von ertrunkenen Seeleuten und Fischern berichten, geben ein anschauliches Bild darüber, dass das Leben hier an der Küste oftmals beschwerlich und gefährlich war. Für uns war es das jetzt allerdings nicht, für uns war die Motorradtour entlang der Küste inclusive der vielen Pausen ein Genuß.


Die Kombination aus Wochenende und kleinen Nebenstraßen bescherte uns absolut freies Fahren ohne LKW, Trecker oder Berufsverkehr - Fahrspaß pur. Die Küstenstrecke windet sich in vielen Kurven und die Straßen sind allesamt in einem tollen Zustand, sodass das Cruisen eine einzige Freude bereitete.


In der Nähe von Audinghen, knapp dreißig Kilometer vor Calais, erreichten wir dann am Nachmittag unsere nächsten Zwischenziele: Die Bunkeranlage "Batterie Todt", das Kap der grauen Nase (Cap Gris Nez) und das Kap der weißen Nase (Cap Blanc Nez).

Die "Nasen"-Kaps

 

Der Besuch der Bunkeranlage, in der sich ein Museum befindet, war für alle ziemlich beeindruckend.

 

Man kann die Geschichte von damals fast fühlen. Durchlöcherte Stahlhelme, diverse Plakate, auf denen der deutsche Ortskommandant die Erschießungen von Geiseln bekanntgab und viele weitere Dokumente aus der Zeit der deutschen Besatzung sind dort ausgestellt. Neben dem Bunker steht noch heute ein gigantisches Eisenbahngeschütz, dessen zwanzig Meter langes Kanonenrohr immer noch auf die englische Küste ausgerichtet ist - ziemlich makaber.


Man muss sich dieses Bunkermuseum natürlich nicht ansehen, aber man sollte es, fanden wir. Direkt neben dem Bunker befindet sich übrigens ein kleines Restaurant, das "L'Estival" - falls man mal mit einer Gruppe dort hinfährt und der eine in den Bunker will und der andere lieber draußen warten möchte. Wir machten natürlich beides, die Bunkerbesichtigung und den Restaurantbesuch - empfehlenswert sind hier auf jeden Fall die tollen Omelettes.


Vom Bunker aus sind es nur ein paar Minuten zum ersten der beiden "Nasen-Kaps" - dem Cap Gris Nez. Man muss sein Mopped am Parkplatz abstellen und hat dann noch ein paar hundert Meter Fußweg durch die ehemaligen Granatentrichter vor sich, bis man die Aussichtsplattform an der Spitze des Kaps erreicht. Der Fußweg lohnt sich aber.


Allerdings sollte man eine Fahrzeugwache bei den Moppeds lassen - ein großes Schild warnt vor Fahrzeugaufbrüchen, da dürfte ein Tankrucksack oder Gepäck auf den Moppeds für Diebe ein gefundenes Fressen sein. Die Fahrzeugwache übernahm ich, während Helene mit unserer Gruppe durch die Felder stiefelte.


Von den beiden Kaps aus hat man dann einen tollen Blick auf die gegenüberliegende englische Kanalküste bei Dover. Die Kreidefelsen leuchteten schneeweiß in der Abendsonne. Abendsonne war dann auch schnell das Stichwort für die Weiterfahrt, denn bis zum Tagesziel im belgischen Brügge waren es noch gute hundertdreißig Kilometer.

 

In Brügge angekommen, versagten dann alle Navis, die wir hatten: Alle führten uns statt zum Hotel zu einer Autobahnbrücke mitten im Wald. Wieder aus dem Wald rausgekommen, lotste uns dann eine freundliche Belgierin direkt vor's Hotel "Campanile Brügge". Dieses Hotel ist absolut bemerkenswert - jedoch aus unserer Sicht keineswegs empfehlenswert.


Wir hatten zuvor über das Internet vier Zimmer gebucht bzw. reserviert, doch für Helene und mich war kein Zimmer frei und das Hotel war komplett ausgebucht. Wir mußten jedoch nicht zurück zur Autobahnbrücke im Wald, da sich Uli und Dirk freundlicherweise bereiterklärten, die Nacht zusammen in einem Zimmer zu verbringen und uns das andere zu überlassen.


Dieser Fauxpas des Hotels alleine war aber noch kein Grund, dem Hotel keine Empfehlung auszusprechen; die Krönung erfolgte erst später beim Abendessen. Da der Tag doch recht anstrengend war, entschlossen wir uns, nicht mehr in die Stadt zu fahren, sondern im Hotelrestaurant zu essen. Helene bestellte sich ein Wiener Schnitzel. Auf dem Teller lag dann ein Schnitzel in zwei Teilen, offenkundig durchgeschnitten. Wir fragten den Kellner - der zugleich auch Receptionist war -, was das soll.

 

Erst versuchte er, uns weiszumachen, dass das normal sei. Dann erschien er plötzlich mit einem Schnitzel in der bloßen Hand und zeigte uns, dass auch dieses durchgeschnitten sei und fragte ziemlich frech, ob wir dieses jetzt haben wollten - ein Mitarbeiter der Reception, der Sekunden vorher noch auf der Tastatur tippte, Geld aus der Kasse angefaßt hatte und uns jetzt in seiner ungewaschenen Hand ein Schnitzel anbot...mit Verlaub gesagt: Das war einfach nur noch widerlich und ekelhaft. Statt weiter zu essen, beendeten wir den Abend schnell mit ein, zwei Calvados, um den Magen zu desinfizieren.

Der Chocolate-Shooter aus Brügge

Der einzige Vorteil dieses unempfehlenswerten Hotels: Es liegt ziemlich nah zur Innenstadt und so brauchten wir am Sonntag nur ein paar Minuten, um den Marktplatz am Belfried, einem der Wahrzeichen Brügges, zu erreichen.

 

Als wir unsere Moppeds direkt neben dem Rathaus abstellten, waren wir noch die einzigen dort. Auch die ganzen Lokale am Rande des Marktplatzes waren noch wie leergefegt. Erst im dritten Restaurant konnte man uns schon ein Frühstück servieren. Die Innenstadt war um neun Uhr morgens noch menschenleer - aber das änderte sich minütlich. Quasi zwischen zwei Tassen Kaffee füllte sich der Marktplatz mit Menschenmassen. Unglaublich.


Da wir in unseren schweren Motorradklamotten keine Lust hatten, die Highlights der Stadt per pedes zu erkunden, entschieden wir uns für eine Stadtrundfahrt in einem Kleinbus. Die eindrucksvolle Fahrt dauerte eine knappe Stunde und dank einer deutschsprachigen Erklärung via Kopfhörer bekamen wir so alle "must see" präsentiert.


Bemerkenswert: Mitten während der Fahrt stoppte der Bus und der Fahrer stieg aus und verschwand wortlos in einem öffentlichen Pissoir. Nachdem er sein Geschäftchen erledigt hatte, setzte er ebenso wortlos die Fahrt wieder fort, so, als sei es das normalste der Welt gewesen - die Angestellten in Brügge sind schon irgendwie ziemlich merkwürdig, so resümmierten wir dann.


Brügge ist eine Stadt, die nie durch Krieg oder Feuer zerstört wurde, und die deshalb mit einer enormen Fülle an alten Häusern und engen Kopfsteinpflastergassen aufwarten kann. Die Eindrücke sind so vielfältig und spektakulär, dass man alle paar Minuten erstaunt stehen bleibt und sprachlos versucht, alle optischen Eindrücke und die vielen Gerüche nach Schokolade, Waffeln und Crêpes zu verarbeiten.

 

Brügge kann man mit allen Sinnen erleben, eine faszinierende Stadt. Wer einmal da war, wird süchtig und kommt wieder.


Brügge hatten wir aber auch ausgewählt, weil ich vor zwei Jahren mal einen Fernsehbericht über einen ziemlichen schrägen Chocolatier gesehen habe - Dominique Persoone. Der besitzt den Laden "The chocolate line" in Brügge (in der Altstadt von Brügge gibt es übrigens sage und schreibe 45 renommierte Chocolatiers).


Vor einigen Jahren sollte er für Ron Wood, dem Gitaristen der Stones, ein außergewöhnliches Schokoladenpräsent entwerfen. Er ging davon aus, dass sich die Stones ja gerne "mal etwas durch die Nase ziehen" und erfand dann den "Chocolate Shooter" - ein kleines Katapult, mit dem man sich Schokoladenpulver in die Nase schießt. "Das sei einfach Rock'n'Roll für Nase und Gaumen", meint der Erfinder.


Wie gesagt, seit zwei Jahren möchte, will, muß ich so ein Ding haben. Klar, ich hätte den Shooter auch online bestellen können, aber ich wollte ihn lieber direkt beim Erfinder kaufen. Den Shooter gibt es für 45 Euro. Dazu bekommt man zwei Döschen mit Pulver - eine Mischung aus Kakao und Himbeeren und die andere aus Kakao, Minze und Ginger. Ich habe das Teil noch im Laden ausprobiert. Wenn einem das Pulver ins Hirn schießt, ist das echt ein bemerkenswertes Erlebnis...


Das ganze Wochenende war ein bemerkenswertes Erlebnis. Wir hatten tolles Wetter, schöne Straßen, leckeres Essen (ok, bis auf eine Ausnahme) und unendlich viel gesehen. Mit unseren Mitfahrern hatten wir viel Spaß - vielen Dank dafür !


Ach ja, unser Reisetourer, die betagte R 1100 RT, hat sich an diesem Wochenende brav die 111.111 Kilometer auf dem Tacho erarbeitet und die Birne an der 12er Adventure verabschiedete sich auf der Rückfahrt erneut. Eine neue Birne sollte an einer belgischen Autobahntankstelle sage und schreibe 24 Euro kosten - jetzt ist auch klar, warum empfohlen wird, dass man stets Ersatzbirnen dabei haben sollte...

Tipp: In den Vollbild-Modus schalten...

Reisetourer's Fazit:

 

Die Haute Normandie und das Pas de Calais sind vom Westen Deutschlands aus ziemlich zügig zu erreichen. Beide Gegenden bieten schöne Straßen zum entspannten Cruisen entlang der Küste - und beide Gegenden bieten sehr viele Hotspots, die man sich mal abseits vom Motorradfahren ansehen kann.

...und das sagen unsere Mitfahrer

Dirk

Es war eine tolle Tour, man hätte locker eine Woche draus machen können! Der Bericht ist eine Wucht – alles drin wie es war – umfassend und für Außenstehende sehr informativ – APPETIZER!

Andreas

Schöne Tour, perfektes Motorradwetter, die Normandie im Herbst 2011: ein Knaller !

Uli

Hier stimmte alles: Eine rundum prima organisierte Tour, eine abwechslungsreiche Streckenführung mit vielen Pausen zum Verweilen, Fotografieren oder zum Auftanken von Mensch und Maschine, ein ausgewogener Anteil an Erkundungsgängen der historischen Stätten und Sehenswürdigkeiten, gepaart mit geselligen Stunden und kulinarischen Höhepunkten.

 

Das i-Tüpfelchen ist der Tourbericht, der uns die Reise noch einmal erleben lässt. Ein herzliches Dankeschön an Helene und Ralf, die mit großer Hingabe und Sorgfalt, mit viel Mühe und Professionalität und stets uneigennützig diese Tour durchgeführt haben.

Übernachtungstipps für die Haute Normandie

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