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Etappe 11: Von Radebeul nach Sebnitz

Das Gelände wurde "tourentauglich", ein Champagnerempfang in der Seidenblumenstadt und ein nostalgisches Motorradmuseum...

Alle vorangegangenen Etappenziele waren schon einzigartig und wir haben viel gesehen und erlebt, doch leider - unsere bisherigen Gastgeber mögen uns dies verzeihen - wurden die Bedürfnisse unseres Moppeds nach Kurven und Hügeln dabei meist etwas vernachlässigt. Das sollte ab heute vorbei sein. Ab jetzt, bis nach Hause, also fast die nächsten dreitausend Kilometer, würde es "Kurven satt geben".

 

Wir verließen Dresden am Mittag und fuhren die Bundesstraße B172 in Richtung Pirna, um möglichst schnell das Elbsandsteingebirge mit der Festung Königstein zu erreichen. Waren vorher Städte und Baudenkmäler unsere Ziele, so ist es jetzt einfach Natur pur. Wir sind bis nach Bad Schandau gefahren und sind dann links in Richtung Sebnitz abgebogen; ein kleines Kurvenparadies von knapp zehn Kilometer bot sich uns dar. Aber bei allem Fahrspaß sollte man hier in der Gegend nicht versäumen, das Motorrad mal für ein paar Augenblicke an einem Aussichtspunkt abzustellen - die Ausblicke in die Schluchten sind gigantisch. Grand Canyon-Feeling in Deutschland.

 

Sebnitz ist nicht nur wegen der Anfahrt durch das Elbsandsteingebirge empfehlenswert, sondern bietet noch allerhand kulturelle Schätzchen wie z.B. ein liebevoll eingerichtetes Motorradmuseum. Und für die Mädels: Sebnitz ist ehemalige Welthauptstadt der Seidenblumenherstellung. Gründe genug, um auch mal von Dresden aus vorbeizuschauen; die Entfernung beträgt nur rund sechzig Kilometer und die Fahrt lohnt sich allemal.

 

Nach dem wir abgepackt und uns umgezogen hatten, ging es mit der Touristikchefin zu Fuß bis zum Museum "Deutsche Kunstblume Sebnitz". Im Rahmen einer kurzen Führung und Vorführung wurden uns die Fakten rund um die Herstellung von Seidenblumen erläutert. Interessant, dass noch vor hundert Jahren rund 15.000 Mitarbeiter von hier aus fast 80 Prozent des Weltmarktes für Seidenblumen belieferten - renommierte Luxushotels, Königshäuser und Museen gehörten zu den Kunden. Leider ist diese glanzvolle Zeit passé - und zwar ziemlich endgültig, seitdem die Asiaten auch diese Branche für ihre Plagiate entdeckt haben.

 

Ich muss natürlich zugestehen, dass das für mich weniger spannend war, aber für Helene war es beeindruckend. Mich zog es nach der Blumenvorführung allerdings direkt in Richtung Motorradmuseum am Bahnhofsgelände, während Helene sich zu einer mehrstündigen Wellnesspause im Kräutervitalbad aufmachte.

 

Das Sebnitzer Motorradmuseum hat neben vielen alten, aber bestens restaurierten Motorrädern noch ein ganzes Sammelsurium verschiedener Gegenstände aus DDR-Zeiten ausgestellt. Die Motorräder gehören allerdings nicht dem Museum, sondern werden von Privatleuten dort ausgestellt und auch in der Schauwerkstatt gewartet und repariert. Eine tolle Sache: Nach Voranmeldung kann man sich das eine oder andere Motorrad (incl. passender Schutzkleidung) für eine Spritztour in die Umgebung ausleihen - verständlicherweise jedoch nur mit einem Begleiter vom Museum, der auf seinem Motorrad die Tour mitfährt. Das Motorradmuseum ist in Sebnitz leider nicht ausgeschildert, aber jeder kennt es. Es liegt in einem Nebengebäude des Bahnhofs (und der ist allerdings ausgeschildert).

 

Nach Kultur & Wellness gingen wir dann zum Abendessen ins Hotel. Im Rahmen des Drei-Gänge-Menü gab es u.a. pinkfarbene Spaghetti; optisch gewöhnungsbedürftig, aber insgesamt sehr gut.

 

Am Nebentisch saß ein Ehepaar und der Mann hat wohl zielsicher herausgehört, dass wir von relativ weither kommen und so entwickelte sich, parallel zum feinen Essen, ein kurzer, aber aufschlußreicher Dialog: "Aus'm Westen ?" fragte er mich zwischen zwei Bissen. Ich nickte. "Wir haben Euch nicht gerufen", meinte er, weiterkauend. Ich dachte insgeheim: "Und ich hab' Dich nicht gefragt", aber seine persönliche Rede zur Lage der Nation ging sofort weiter: "Wir werden noch lange kein Volk. Das dauert noch drei Generationen, denn Ihr habt hier alles kaputtgemacht. Wir brauchen Euch hier nicht".

 

Auf die Frage, wer er sei, erläuterte er, dass er Landwirt aus Thüringen sei und hier Urlaub mache. Tja, so ist das eben. Aber eine solche Auffassung war "drüben" die Ausnahme. Wir haben im menschlichen Miteinander sonst nicht ein einziges mal einen Unterschied zwischen Ost und West ausmachen können, uns hat es diesbezüglich einfach überall gefallen.

 

Am Abend besuchten wir dann das "Public Viewing" vor der Pizzeria am Marktplatz, um uns das WM-Endspiel anzusehen. Rund 20 Personen saßen gemütlich beisammen und schauten sich die Treterei zwischen Holländern und Spaniern an. Ab und zu lief mal ein Hahn, der seinem nahegelegenen Stall entflohen war, durch die Menge. Kurz nach Ende des Spiels wurde dann auch in der Pizzeria das Licht ausgemacht. Damit ist dann auch klar, dass Sebnitz ein eher ruhiges und beschauliches Städtchen ist - genau richtig, um sich zu erholen und ein wenig kulturell zu beschäftigen und bestens geeignet für Motorradtouren in die Umgebung...

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