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Etappe 20: Von Breisach nach Kork

Eine Rechnung geht auf, kostenlose Fähren über den Rhein, eine Bierdusche zum Abkühlen und Franzosen, die nach Deutschland zum Gourmet-Essen fahren...

Wir fuhren erst mal zur Rheinbrücke von Breisach - dort hatten wir den besten Überblick, um unsere heutige Tour zu planen. Zur Rechten sahen wir den Kaiserstuhl und etwas weiter den Feldberg. Zur linken, etwas weiter weg, die Ausläufer der Vogesen. Die erschienen, obgleich viel weiter weg, höher als der nähergelegene Kaiserstuhl. 

 

Also zog es uns über die Brücke nach Frankreich und wir erhofften uns im weiteren Verlauf einen Mix aus den Schönheiten des Schwarzwaldes und den anspruchsvolleren Kurven der Alpen. Wir sollten nicht enttäuscht werden, diese Rechung ging zu hundert Prozent auf. Auch die heutige Route sollte zu den schönsten der ganzen Tour werden.

 

Zunächst fuhren wir auf der französischen Seite am Rhein entlang bis nach Marckolsheim zum Maginot-Denkmal. Dort angekommen, stellten wir fest, dass es vom Parkplatz bis zum Eingang ein paar hundert Meter waren - einfach zuviel für meine längst durchgescheuerten Sohlen. Wir hatten auf unserer Reise nicht nur bereits über 4.500 Kilometer Motorradfahren hinter uns, sondern auch schon gefühlte 60 Kilometer Stadtführungen, Spaziergänge und sonstige Aktivitäten per pedes. Bei den immer noch hohen Temperaturen war das genug; wir verzichteten für heute also auf die Eroberung der Maginot-Linie. Es sollten ja noch weitere Gelegenheiten kommen.

 

Im beschaulichen Elsaß sieht man häufig Storchennester auf Kirchturmspitzen oder auf hohen Kaminen; kein Wunder also, dass der Storch dort inoffizielles Wappentier ist. Allerdings gilt der Storch in Frankreich nur im Elsaß als "Babylieferant" - in den meisten übrigen Gegenden findet man, der Legende nach, die Babys stattdessen in Kohlköpfen auf dem Feld...

 

Die nächste bunte Stadt, die aus einem Walt Disney Film hätte stammen können, stand auf dem Plan: Ribeauvillé an der Elsässer Weinstraße.

 

„L´Alsace est une fête…" hat einmal Emile Baas gesagt. Wenn man sich nach Ribeauvillé begibt, wird man mit ihm einer Meinung sein. Hier sind die Straßen und Häuser ständig geschmückt, als warteten sie nur auf den Auftakt zu einem Musikfest...

 

So steht's auf der Homepage der Region geschrieben und so ist es auch.

 

Bis zwölf Uhr mittags darf man übrigens mit dem Motorrad (oder Auto) die ganze Hauptstraße, die Grand' Rue, in der Altstadt hochfahren - sehr zum Ärger der Touristen. Erst ab 12.00 Uhr wird die Straße zur Fußgängerzone. Da wir früh da waren, nutzten wir also die Chance, ein paar Fußgänger zu ärgern und rumpelten das Kopfsteinpflaster hoch. Wenn man mal unterstellt, dass den Franzosen die Kombination "beklopptes Arschloch" nicht unbedingt geläufig ist, dann dürften es die deutschen Touristen gewesen sein, die sich darüber aufgeregt haben.

 

Die Franzosen brettern ohnehin selber mit ihren Lieferwagen in einem Affenzahn die Gasse hoch. Unten wieder angekommen, überlegte ich, die Videokamera klarzumachen und die Strecke nochmal zu fahren, aber Helene mahnte zur Zurückhaltung. Stattdessen marschierte sie dann los, um neue Fotos zu machen - ich setzte mich so lange in ein uriges Bistro und habe mir die Leute angeschaut. Leider kam der Typ, der mich zuvor bereits geadelt hatte, nicht zu Fuß die Gasse runter...

 

Nach Ribeauvillé fuhren wir ein kleines Stück weiter auf der elsässischen Weinstraße (D 1b) und erreichten das Dorf Bergheim. Wer es nicht kennt: Ein Bergheim gibt es auch bei Köln und die haben da das Autokennzeichen BM (alias für Bereifter Mörder) - übrigens oft zu Recht, wie wir finden. Wir fuhren jedenfalls durch's französische Bergheim bis nach St. Hippolyte, wo wir links abbogen, um zum Chateau du Haut Koenigsburg zu gelangen. Alles zungenbrecherische Namen, aber die Auffahrt zur Burg lohnt sich auf jeden Fall.

 

Schon circa ein Kilometer vor der Burg fangen die Dosenfahrer an, ihre Vehikel am Straßenrand zu parken und den Rest des Berges keuchend zu Fuß zu erklimmen - als Motorradfahrer sollte man sich dadurch jedoch nicht abschrecken lassen: Unmittelbar vor dem Eingang zum Burghof befinden sich die extra ausgewiesenen und reservierten Parkplätze für Motorräder. Merci, liebe Franzosen, dafür habt' Ihr bei mir "einen Stein im Brett".

 

Der Ausblick vom Burggelände ist bei klarem Wetter nahezu grenzenlos und selbstverständlich beeindruckend. Noch beeindruckender ist jedoch die Abfahrt runter ins Tal. Erst fährt man eine Weile in Rechts- und Linkspassagen durch den Wald und ganz unvermittelt wird man quasi in die Weite der Weinberge entlassen. Wir sind weiter über die Elsässer Weinstraße gefahren, um dann bei Eichhofen nach rechts in Richtung Rhinau zu gelangen, da wir dort mit der Fähre über den Rhein nach Kappel wollten.

Merkwürdig an der Fähre war, dass niemand zum Kassieren kam; auch beim Anlegen am gegenüberliegenden Ufer nicht. Da oben am Ufer am Straßenrand ein Häuschen stand, dachte ich, dass man vielleicht da bezahlen müsse, doch ebenfalls Fehlanzeige. Später erfuhren wir, dass diese Fähre tatsächlich (noch) kostenlos ist.

 

Von Kappel aus fuhren wir direkt über die B 36 nördlich nach Kork bei Kehl. Zwischendurch passierten wir noch mal ein Städtchen mit merkwürdigem Namen: Altenheim. Doch diesmal blieb die Kamera bewußt im Tankrucksack; hatten wir vorher alle merkwürdigen Ortsschilder verpaßt, brauchte es dieses jetzt auch nicht mehr zu werden. Von der Strecke Kappel-Kork ist nicht viel zu erwähnen; außer dass es so gut wie keine Möglichkeit gab, irgendwo nachmittags etwas zu essen oder zu trinken. Seltsam, fast vierzig Kilometer ohne Restaurant, Bistro oder sonstwas.

 

Gegen 17.00 Uhr erreichten wir dann Kehl-Kork, unser heutiges Etappenziel gegenüber von Strasbourg. Der Vorteil liegt klar auf der Hand: Kehl, und insbesondere der Stadtteil Kork, liegen zwar in unmittelbarer Nähe zu Strasbourg, doch es ist dort noch ziemlich ruhig. Nachdem wir unser Quartier im Hotel Hirsch bezogen hatten, sind wir zu Fuß durch's Dorf spaziert. Kehl-Kork ist tatsächlich ziemlich beschaulich und bietet auf den ersten Blick ein paar liebevoll restaurierte Fachwerkhäuser, eine freie Tankstelle und ein Museum in der ehemaligen Essigfabrik. Auf dessen Kamin läßt sich alljährlich ein Storchenpaar nieder; in diesem Jahr wieder mit Nachwuchs.

 

Zum Abendessen waren wir im Landgasthof Schwanen eingeladen. Der Gasthof ist zugleich auch Hotel und augenscheinlich bei Harleyfahrern beliebt, denn mehrere checkten während unseres Abendessens dort ein.

 

Wir bekamen einen Platz auf der urigen Terrasse im Hof und zur Bekämpfung des großen Durstes orderten wir erstmal zwei große Radler. Die Kellnerin kam auf den Tisch zu, stolperte und - mit einer Haltungsnote von 9,5 - machte sie eine Figur, als wolle sie den sterbenden Schwan nachmachen (...Gasthof "Schwanen"...) und knapp ein Liter Radler landeten auf dem Tisch und bei mir auf der Hose. Gelächter überall und der armen Frau war das megapeinlich.

 

Allerdings fiel mir jetzt auf, dass wir wie auf einem Logenplatz mitten auf der Terrasse saßen und dass der "freie Fall" der Kellnerin fast wie einstudiert aussah und ich sagte zu Helene: "Wenn das jetzt noch mal passiert, sind wir gerade Opfer der versteckten Kamera". Doch die nächsten Radler erreichten ohne Umwege ihr vorgegebenes Ziel. Die bedauernswerte Kellnerin kriegte sich jedoch den ganzen Abend nicht mehr ein und bei jedem Gang entschuldigte sie sich - dabei war doch nix' passiert.

 

Es war immer noch so heiß, dass selbst die Hose binnen einer halben Stunde wieder trocken war. Wie gesagt, Harleyfahrer lieben das Hotel - vielleicht auch gerade wegen der optionalen Bierdusche. 

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