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Etappe 9: Von Berlin nach Elsterwerda

Boxenstopp in Berlin und ein brandenburgisches Karibikfest...

Nach einem Reifenwechsel am frühen Morgen fuhren wir dann gegen Mittag in Berlin los. Geplant war ursprünglich, Görlitz anzufahren - aber wir sollten es nicht erreichen. Weder heute, noch morgen.

 

Was passierte, war schon irgendwie ein wenig unheimlich oder von der Vorsehung bestimmt, denn in der Nacht zuvor träumte ich von einem Motorradunfall in Görlitz...

 

Wir verließen Berlin jedenfalls in südöstlicher Richtung. Das neue Navigationsgerät hatte ich noch im Koffer und ich orientierte mich an Hand meiner Karte. Kurz nach Berlin gerieten wir in eine Großbaustelle mit einer komplizierten Umleitung durch mehrere Städte und Dörfer, der wir folgen mußten. Plötzlich hörte die Umleitung aber "mitten im Nichts" auf; d.h. es kamen keine Schilder mehr.

 

An statt mich an Hand der Karte neu zu orientieren oder mich an das Navi im Koffer zu erinnern, folgte ich einfach der Landstraße im Glauben, dass wir schon richtig seien. Vielleicht war es die Hitze oder der Streß, der mich so naiv gemacht hatte. Jedenfalls kam mir erst drei Stunden später etwas völlig unplausibel vor: Die Sonne fing an, mir ins Gesicht zu scheinen. Ein untrügliches Zeichen, dass wir uns westwärts oder zumindest südwestwärts bewegten, auf jeden Fall aber völlig falsch.

 

Bis dass ich dies kapiert hatte, vergingen aber noch einige Kilometer. Völlig überrascht hielt ich dann aber mal an und checkte zum ersten mal unsere Position - wir waren fast 75 Kilometer vom eigentlichen Kurs abgekommen. Es war wieder sehr heiß an diesem Tag und ein Umdrehen und Weiterfahren nach Görlitz hätte damit ca. 170 Kilometer zusätzlich erfordert. Das weckte Erinnerungen an unsere Kiel-Etappe und wir beschlossen daher, erstmal nur wieder in die grobe Richtung Görlitz zu fahren und unterwegs irgendwo zu übernachten, um dann halt einen Tag später in Görlitz einzutreffen.

 

Dieses Irgendwo war dann schließlich die kleine Stadt Elsterwerda, nah am Grenzgebiet von Brandenburg und Sachsen. Im Gegensatz zu Kiel hat Elsterwerda keinen Hafen, also vermutlich auch kein Hafenfest und so fanden wir ziemlich schnell am Marktplatz ein preiswertes Hotel. Am Abend fand dann auf dem Marktplatz natürlich auch kein Hafenfest, aber es fand, zu unserer Überraschung, das jährliche Karibikfest statt, welches wir uns dann auch noch angeschaut haben. Das war für uns alles irgendwie so irreal - ein Karibikfest im tiefsten Ostdeutschland auf einem Marktplatz...

 

Man hatte den gesamten Platz mit Sand aufgefüllt, ein paar Schlauchboote aufgeblasen und Buden für Cocktails aufgestellt. Gegen 20 Uhr trudelte so langsam die Bevölkerung ein. Einige hatten versucht, sich karibisch herzurichten - was immer sie auch darunter verstanden haben. Der gewichtige Dorf-DJ stand allerdings völlig unkaribisch im Blaumann (Arbeitsanzug) an seinem Mischpult. Wie gesagt, alles etwas unwirklich, aber die Cocktails waren gut und preiswert. Irgendwie wollte karibische Stimmung bei den Besuchern aber nicht so Recht aufkommen. Etwas lockerer wurden die meisten (männlichen) Besucher erst, als das Highlight der Nacht angekündigt wurde: Eine Dessous- und Bademodenschau junger Mädchen.

 

Im weiteren Verlauf schloß der DJ dann leicht frustriert das Kapitel karibische Musik ab und ging nahtlos ins deutsche Ballermann-Genre über. Das zeigte Wirkung, das Publikum taute merklich auf - time to say good-bye für uns. Wir spazierten stattdessen noch mal durch's Städtchen, um herauszufinden, ob Elsterwerda auch noch mehr zu bieten hat.

 

Eine Stunde später, als wir wieder zurückgingen, weil sich unser Hotel ja auch am Marktplatz befand, waren wir dann aber doch ziemlich überrascht: Ballermann war auch schon vorbei, inzwischen wurde härtere Musik gespielt und das Publikum änderte sich deutlich: Mehr und mehr glatzköpfig Rasierte in schwarzer Kleidung tauchten auf. Offenbar kam den Ordnungsbehörden dies auch etwas merkwürdig vor, denn wir sahen - in einer Seitenstraße versteckt - schon die ersten Polizisten Stellung beziehen. Spätestens jetzt war es dann aber endgültig Zeit für uns, diese Veranstaltung zu verlassen. Fairerweise sollte man aber vermuten, dass Elsterwerda gewiß noch mehr zu bieten hat, als ein karibisches Fest mit merkwürdigem Ausgang...

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