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10. Etappe San Sebastián - La Rochelle

Mittwoch, 9. Mai 2012

Fährmann, hol' über...

Jakobsweg mit dem Motorrad - reisecruiser.de Fähre von Le Verdon sur Mer nach Royan

Schon kurz nach der Abfahrt hatten wir Pit & Dorothea verloren. Die beiden Architekturfans wollten in San Sebastián noch ein bestimmtes Gebäude fotografieren.

 

Es wäre zu stressig gewesen, mit der ganzen Kolonne durch das Labyrinth der unzähligen Einbahnstraßen zu fahren und so hatten wir uns verabredet, an der nächsten Tankstelle am Ortsausgang aufeinander zu warten.

 

Leider kam da keine Tankstelle mehr, sondern nur der Zubringer zur Autobahn und ehe wir das realisieren konnten, befanden wir uns schon auf der Strecke nach Biarritz und Bayonne. Kurz hinter Bayonne konnten wir uns aber telefonisch absprechen, dass wir auch diese Etappe getrennt fahren würden.

 

Da in den kleineren Städten, durch die wir dann fuhren, nur ein Stop & Go möglich war und da sich die Bordthermometer erstmals der 30°-Marke näherten, entschlossen wir uns, nicht unmittelbar an der Küste entlang zu fahren, sondern statt der Autobahn nun die Schnellstraße N10 in Richtung Bordeaux zu nehmen. Bordeaux wollten wir dann westlich wieder auf der Autobahn umfahren.

 

Die mautfreien Schnellstraßen sind in Frankreich häufig zweispurig und erlauben dann ein Tempo von 110 km/h, sodass man theoretisch zügig vorankommen kann. Nein, diesmal waren es nicht unsere Mitfahrer, die unsere Fahrt verlangsamten, diesmal war es ein endlos langer LKW-Stau, der uns zwang, die linke Spur mit vorsichtigen fünfzig bis sechzig Stundenkilometer entlang zu schleichen.

 

Knapp fünfzig Kilometer vor Bordeaux reichte es uns dann, wir verließen die Schnellstraße und hielten uns wieder westlich, in Richtung Arcachon. Nach einer längeren Kaffeepause und einem Tankstopp in Ste. Hélène fuhren wir dann über einsame Landstraßen weiter nördlich, um den Fährhafen Le Verdon sur Mer an der Gironde zu erreichen.

 

Auf dieser Strecke fragten wir uns immer wieder, ob die Fähre denn überhaupt in Betrieb war. Es wäre ein herber Rückschlag geworden, wenn wir dort angekommen wären und keine Überfahrt mehr bekommen hätten: Der dann zu fahrende Umweg hätte uns satte zweihundert Mehrkilometer eingebracht. Dieses Szenario vor Augen setzte bei unseren Mitfahrern vermutlich ungeahnte Rennfahrerqualitäten frei - nie sind wir so zügig durchgekommen wie an diesem Tag. Habt Ihr gutgemacht...

 

Wir erreichten den Fähranleger um 17.30 Uhr und ein Schild verkündete, dass die nächste Abfahrt um 18.25 Uhr erfolgen würde - Schwein gehabt.

 

Inzwischen wissen wir, dass noch eine weitere Fähre um 19.55 Uhr abgelegt hätte, doch danach wäre es das gewesen. Wer also dort eine Überfahrt einplanen möchte, sollte sich über den Fährplan informieren und seine Anfahrt entsprechend organsisieren. Der Fährpreis beträgt übrigens 10,20 Euro fürs Motorrad und 3,10 Euro für jeden Passagier (Stand Mai 2012).

 

Klar, dass sich angesichts der Wartezeiten einige Wirte dort ebenfalls angesiedelt haben. Wir nutzten die Zeit bis zur Abfahrt für eine weitere Kaffeepause und einen kleinen Snack.

 

Die anschließende Überfahrt dauerte eine knappe halbe Stunde. Das war schon kein Fluß mehr, den wir da überquerten, sondern ein sehr großes Flußdelta, das nahtlos in den Ozean überging. Die Motorräder standen "im Bauch" der Fähre und die Passagiere konnten auf dem Oberdeck platznehmen.

 

Mir war das zunehmende Geschaukel nicht ganz geheuer und etwa ab der Mitte des Flusses zog ich es vor, auf unserer BMW zu sitzen und diese notfalls abstützen zu können, denn die Motorräder standen da ohne Verzurrung. Ich rollte sie ein bisschen aus der Reihe der Moppeds vor, denn falls die anderen wie Dominosteine fallen würden, wollte ich nicht dazwischen stehen. Auch Otto hielt seine geliebte FJR stets im Auge. Es ging aber alles gut.

Romantisches La Rochelle...

Jakobsweg mit dem Motorrad - reisecruiser.de Hafen von La Rochelle

Nach der Fährfahrt lagen noch gute siebzig Kilometer vor uns, bis wir gegen zwanzig Uhr unser Hotel in La Rochelle erreichten. Wie schon am Anfang unserer Reise in Nevers hatten wir hier wieder ein Hotel der Kyriad-Gruppe gebucht.

 

Die freundliche Receptionistin hatte schon vor unserer Ankunft Parkplätze für unsere Motorräder reserviert und abgesperrt, ein netter Service.

 

Wie schon tags zuvor in San Sebastián zogen es die meisten aus der Gruppe vor, nicht mehr in die Stadt zu gehen, sondern direkt gegenüber vom Hotel in einer Kneipe noch etwas zu essen.

 

In La Rochelle gewesen zu sein und nichts von La Rochelle gesehen zu haben, kam für Helene und mich natürlich nicht in Frage. Wir fuhren wieder mit dem Taxi in die Stadt und ließen uns von unserem Chauffeur ein tolles Fischrestaurant empfehlen.

 

Die Empfehlung können wir direkt weitergeben: Das Restaurant André ist top. Helene machte sich wieder über Riesengambas her und ich bestellte mir einen exotisch klingenden Meeresbewohner. Selbst ich, dessen maritimer Gourmetlevel knapp oberhalb von Fischstäbchen endet, kann bestätigen, dass das Essen außerordentlich gut war. Als Tischnachbarn hatten wir übrigens ein französisch-deutsches Ehepaar und wir haben uns noch eine Weile nett mit ihnen unterhalten.

 

Zum Schluß machten wir noch einen kleinen Rundgang durch die Altstadt und uns war schnell klar: Hierher kommen wir mal wieder zurück. Von der direkten Entfernug her, lohnt sich La Rochelle auch für ein verlängertes Wochenende.

Die hier vorgesehene Bildergalerie wird gerade aktualisiert - sorry

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