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Felsenküste Tifnit im Nationalpark Souss-Massa, Silberstadt Tiznit, Stausee von Tagalmoust und ein Hummer-Menü...

Für ein Bakschisch in die Fischerkluft Für ein Bakschisch in die Fischerkluft

Die erste Tour begann im weiten Flachland, an der türkisblauen Küste vorbei und streifte im weiteren Verlauf die letzten Ausläufer des Atlasgebirges.

 

Wir fuhren zunächst in Richtung Süden über eine gut ausgebaute Straße (N 1), die wir hier bei uns als Bundesstraße bezeichnen würden. Bei Ti nel Mekki sind wir dann nach rechts zum Atlantik abgebogen.

 

Ab da fuhren wir meist Straßen bzw. Wege, die nirgendwo verzeichnet sind. Teilweise waren es auch nur noch Spuren im Sand, die uns den Weg wiesen. Genau genommen hatten wir keine Ahnung, ob wir richtig fuhren oder nicht. Wichtig war in diesem Falle, dass die Transalp vollgetankt, dass das Topcase mit Wasserflaschen gefüllt war und dass wir nötigenfalls die Spur rückwärts wieder fanden.

 

An der rauhen Küste bei Tifnit beeindruckten uns die kargen Unterkünfte der Fischer: Sie wohnen in natürlichen Höhlen, vor denen sie meist noch wackelige Terrassen angebaut haben. Luxus ist hier Fehlanzeige. Ab und an sieht man jedoch eine kleine Solaranlage und eine Satellitenschüssel. Das war es dann auch schon an Annehmlichkeiten.

 

Die Fischer fahren von dort mit ihren kleinen Booten auf den Atlantik hinaus. Ein harter Job und ein hartes Leben in einer eintönigen Umgebung - die schöne Aussicht aufs Meer hinaus werden die Bewohner da wohl kaum noch bewußt genießen...

 

Das Gebiet um Tifnit herum gehört zum Nationalpark Souss-Massa; ein 340 km² großes Gebiet, in dem Gazellen, Antilopen und Strauße wieder angesiedelt wurden. Die waren seit den sechziger Jahren dort ausgestorben - allerdings wohl nicht in Folge des Erdbebens, sondern weil die Berber sie wohl alle aufgegessen hatten.

 

Montags scheint allerdings Antilopen-Ruhetag zu sein, denn wir fanden keine.

 

Nachdem Helene und ich überredet wurden, für ein Foto - bzw. genauer gesagt für das damit verbundene Bakschisch - in eine gebrauchte Fischerkluft zu steigen, fuhren wir dann weiter zu unserem nächsten Zwischenstop in die Silberstadt Tiznit.

 

Tiznit hat ca. 60000 Einwohner und liegt 90 Kilometer südlich von Agadir. Die Stadt hat eine sechs Kilometer lange Stadtmauer mit 36 Türmen und acht Stadttoren. Es gibt in Tiznit eine kleine Medina, einige Handelsplätze und den Hauptplatz Place du Méchouar. Tiznit hat sich zum Zentrum des Kunsthandwerks der Silber-Schmiede entwickelt.

 

Hier wird – wie sonst nur auf Malta – die Kunst der Filigran-Arbeit praktiziert, bei der feinste Silberdrähte zu Berberschmuck verarbeitet werden. Klar, dass Helene dies besichtigen wollte. Eine Silberschmiede zu besichtigen, heißt allerdings gleich auch Kaufen - und so wanderten nach hartem und langem Feilschen ein Armband und ein paar Ohrringe ins Topcase.

 

Tiznit war die südlichste Stadt unserer Tour und von da aus fuhren wir nordöstlich zum Stausee von Tagalmoust. Der See heißt Barrage Youssef Ibn Tachfin, ist 85 Meter tief und liefert das Trinkwasser und die Stromerzeugung für die Region.

 

Um da hinzukommen fährt man "ewig und drei Tage" durch absolut dürres Wüstengebiet, um dann unvermittelt die Ausläufer des Atlas zu erklimmen und plötzlich, nach einer Kurve, vor dem türkisblauen Wasser des Stausees zu stehen. Diese schnell wechselnden Gegenden, von absoluter Dürre bis hin zu satten grünen Tälern, beeindruckten uns immer wieder. Rechts und links fernab der Straßen sieht man auch heute noch die Zelte der Nomaden.

 

Der Fortschritt hat aber auch vor ihnen nicht Halt gemacht: Die standesgemäßen Fortbewegungsmittel sind nicht mehr Kamele, sondern Landrover. Trotzdem tat dies dem einsetzenden "Karl-May-Feeling" keinen Abbruch. Es war leicht, sich in die Zeit zurück zu versetzen, als die Karawanen hier noch durch's Land zogen.

 

Nach einem Mittagessen in einer Berberhütte mit Couscous tranken wir dann in einem Café am Wegesrand einen Nos-Nos (eine Kaffeespezialität in Marokko). Nach Couscous und Noss-Noss fuhren wir entlang des Atlas in einem weitläufigen Bogen wieder zurück nach Agadir.

 

Auch hier beeindruckten uns immer wieder die ständig wechselnden Lichtverhältnisse und damit die Farben der Landschaft. Manchmal sahen wir stundenlang niemanden unterwegs; dann wieder tauchte wie aus dem Nichts ein Dorf auf. Besonders die Jüngeren, auf die wir trafen, begrüßten uns immer wieder mit lautem Hallo. Sie hatten ihren Spaß dran, Motorradfahrer zu sehen - oder sie dachten, was sind die bekloppt, bei dieser Affenhitze Motorrad zu fahren - wer weiß das schon.

 

Bevor wir ins Hotel zurückkehrten, fuhren wir in Agadir noch zur Kasbah Oufella hoch. Auch diese Burg wurde beim Erdbeben völlig zerstört, die Burgmauer ist jedoch das einzige Bauwerk, das wieder restauriert und aufgebaut wurde. Von dort oben hat man einen grandiosen Überblick über die Bucht von Agadir.

 

Diese erste Motorradtour in Marokko war knapp 300 Kilometer lang und sie war auf Grund der unzähligen Eindrücke und natürlich der Temperaturen ziemlich anstrengend und so beendeten wir den wunderschönen Tag mit einer erfrischenden Runde im Pool und einem anschließenden Hummer-Menü im Restaurant Gandhara.

 

Den Hummer muss man einen Tag vorher bestellen, dafür kommt er dann fangfrisch auf den Tisch. Das 5-Gänge-Menü kostete inclusive einer Flasche Rosé knapp 80 Euro für zwei Personen, da kann man nicht meckern.

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