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Taroudant, eine Sonnenbrille für 1 Euro, die einzige bedenkliche Situation und viele Kamele...

Taroudant liegt ca. neunzig Kilometer östlich von Agadir. Eine "deutschsprachige" Broschüre beschreibt es so:

 

...hat es das Gefühl eines kleinen Marktflecken bei einigen Karawanenstraße. Taroudant ist bekannt für seine lokale Handwerk zur Kenntnis genommen und sie abholen können einige schöne Schnäppchen hier...

 

Tatsächlich wird die Stadt häufig als "petite Sœur" (kleine Schwester) von Marrakesch bezeichnet, denn sie ist die größte und vielleicht schönste Stadt am Souss.

 

Das malerische Klein-Marrakesch beeindruckt durch seine mächtige Stadtmauer und die Anfang des 18. Jahrhunderts aus Lehm erbaute schöne Medina. Von Oliven- und Orangenpflanzungen umgeben, erstreckt sich der Ort am Ufer des Flusses Souss vor dem Hintergrund der Gipfel des Hohen Atlas. Nicht weit entfernt drehte Fernandel in der 50er Jahren in einem Palmenhain den Film "Ali Baba und die vierzig Räuber" - das kann man sich noch heute lebhaft vorstellen.

 

Das Gebiet innerhalb der Stadtmauer erschien uns als ein einziger belebter Souk, ein unvorstellbares Gewusel von Geräuschen, Gerüchen und Farben. Eselskarren, Kamele, Mopeds, Autos und Fahrradfahrer - alles bewegte sich irgendwie kreuz und quer. Wir sind drei- oder viermal durch die Stadt gefahren, immer auf der Suche nach einem halbwegs überschaubaren Parkplatz und einem Restaurant in der Nähe, doch wir hatten keine Chance.

 

Ganz anders ist es jedoch außerhalb der Stadtmauer, dort findet man unter Palmen einige schattige Plätze zum Ausruhen.

 

Die Anfahrt nach Taroudant war wieder sehr spektakulär für uns. Wir fuhren über die alte Karawanenstraße, die heutige Bezeichnung lautet P 1714, aus Richtung Westen kommend. Immer wieder kamen uns auch heute Karawanen entgegen - diesmal allerdings massiv überladene LKW. Jedes Mal, wenn einer an uns vorbeidonnerte, wirbelte der Wüstensand auf und man hatte man das Gefühl, man bekäme das Gesicht und die Arme sandgestrahlt. Ausgerechnet an diesem Tag hatte ich meine Sonnenbrille vergessen.

 

Gut dreißig Kilometer habe ich das ausgehalten, doch in Douar el Koudia, einer Kleinstadt mitten im Nix, war Schluß mit lustig. Zum Glück fanden wir ziemlich schnell ein Geschäft, das auch Sonnenbrillen anbot. Da Touristen in Douar el Koudia eine absolute Seltenheit sind, hatten die Preise marokkanischen Standard. Als Ausgangsbasis für die anstehenden Preisverhandlungen wurden vom Verkäufer 10 Dirham angesetzt - das sind umgerechnet noch nichtmal 1 Euro.

 

Da Helene draußen am Motorrad alleine stand und die Zahl der neugierigen Einheimischen immer größer wurde, verzichtete ich aber auf's Handeln und bezahlte den ersten geforderten Preis für die Brille sofort; sehr zum Verdruß des Händlers. Es war klar erkennbar, dass er Handeln wollte.

 

Ich schätze, wenn jetzt wieder mal Touristen durch's Dorf kommen sollten, liegt der Einstiegspreis für eine Sonnenbrille bei 2 Euro - nur, damit endlich gehandelt wird.

 

Eine halbe Stunde später wollten wir an einer einsamen Abzweigung am Straßenrand unter schattigen Bäumen eine kurze Rast machen. Während ich die Gelegenheit nutzte, gleich mal dieses vorübergehende Revier zu markieren, kam plötzlich aus dem Nichts ein Ur-Berber hervor.

 

Der Typ sah aus, als sei er Quasimodo mit einer weiteren Gesichtslähmung und gab Laute von sich, die ich nicht beschreiben kann. Was mich aber am meisten beeindruckte: Er murmelte irgendwas vor sich hin und währenddessen ging er in großen Kreisen um unser Motorrad herum. Die Kreise wurden immer enger - und als ich das realisiert hatte, rief ich Helene zu, dass sie schnell aufsteigen soll, damit wir umgehend abhauen konnten.

 

Wer weiß, was der Typ gemacht hätte, wenn seine Kreise seinen Mittelpunkt, also uns, erreicht hätten. Ich hätte ihn gerne noch gefragt, ob ich ein Foto von ihm machen könne, verzichtete aber lieber drauf.

 

Im Nachhinein kann ich allerdings nachvollziehen, dass er nicht so gut auf uns zu sprechen war. Wenn ich mir vorstelle, dass zwei Marokkaner in unserer Garagenzufahrt stehen und dahin pinkeln würden, würde ich sicher auch merkwürdig reagieren...

 

Beim letzten Teilstück nach Taroudant durfte die Transalp dann mal zeigen, was sie so drauf hat. Ich fuhr, als sei der Teufel - oder eben Quasimodo auf'm Kamel - hinter uns her. Er kam aber nicht und so erreichten wir dann das Klein-Marrakesch in der Wüste. Wie bereits oben geschildert, war uns das Gewusel einfach zu viel und wir verließen Taroudant ziemlich schnell wieder. Sicher wäre ein Gang durch die Stadt ein Erlebnis gewesen, doch wir wollten die Transalp dort lieber nicht aus den Augen lassen. Außerdem sind wir ja viermal durchgefahren.

 

Nach der Ausfahrt durch eines der vielen Stadttore habe ich mich dann verfahren. Nach wenigen Kilometern halbwegs asphaltierten Weges wurden die Schlaglöcher immer größer und die Straße zusehend unpassierbarer. Letzteres gewiß nicht für die Transalp, aber sicher für einen eifelverwöhnten Tourenfahrer. Außerdem mußten wir der nicht vorhandenen Ausrüstung Tribut zollen, denn sich in einem solchen Gelände auf die Nase zu legen, hätte sicher weh getan. Es war so schon schwer genug, die Transalp auf losem Schotter, und nur mit Straßenschuhen bekleidet, jedesmal sicher abzufangen.

 

Wir fuhren noch ein Stück weiter und erreichten noch eine kleine Ansammlung von Hütten, vor der drei vollverschleierte Frauen standen. Leider konnten wir uns hier kaum verständlich machen, mit Französisch kamen wir hier nicht mehr weiter. Mit Händen und Füßen und dem Wort "Taroudant" erklärten sie uns dann lachend, dass wir wieder zurück mußten.

 

Der Umweg hat dennoch Spaß gemacht und uns weitere tolle Landschaften gezeigt - mehr dazu in der Fotoshow am Ende des Berichtes.

 

Wieder zurück in Agadir ließen wir diesen weiteren traumhaften Tag im Casino Royale ausklingen. Die Tatsache, dass sich Helene beim Roulette und am einarmigen Banditen verzockt hat, tat den tollen Erlebnissen keinen Abbruch; außerdem heißt es ja noch immer: Pech im Spiel, Glück in der Liebe...

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