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Sagenhafte Schluchten im Vallée du Paradis

Transalp in Imouzzer Transalp in Imouzzer

Bei den ersten beiden Touren waren wir immer in den niedrigeren Ausläufern des Atlas-Gebirges unterwegs, diesmal ging es aber hinein ins Gebirge. Ziel waren die Wasserfälle von Imouzzer und der Weg dorthin führte uns über einsame Paßstraßen auf bis zu 2.000 Meter Höhe.

 

Mohamed Gam von Atlantic Moto Rent rief uns vor dem Start noch mal an und schärfte uns ein, dass wir auf jeden Fall genug Wasser mitnehmen und die Transalp voll auftanken sollten, denn wir würden stundenlang keinen Menschen sehen und keine Tankstelle ansteuern können. Er sagte, dass wir oben in den Bergen bis zu 45 Grad Hitze erwarten könnten. So war es dann auch.

 

Dieses Mal führte uns die Route nordöstlich von Agadir. Wir fuhren zunächst wieder über die N 1 bis nach Aourir. Dort ging es dann rechts ab in Richtung Berge. Noch ein, zwei kleine Dörfer und wir waren wieder mitten im Nix.

 

Die Straße, immerhin asphaltiert, war knapp drei Meter breit und an den Rändern ging es teilweise hunderte Meter die Abgründe runter. Nur vereinzelt gab es Leitplanken. Wer da einen Abflug macht, verabschiedet sich für immer und dient nur noch als gefundenes Fressen für die Geier...

 

Von Mustafa, unserem Jeepfahrer am ersten Tag, hatten wir erfahren, dass man im Gebiet um das kleine Dörfchen Tamrahrt ou Fella häufig Fossilien finden könne. Er wollte uns unbedingt überreden, mit dem Jeep dort hin zu fahren - nun ja, jetzt kamen wir halt mit dem Motorrad da an, sorry Mustafa.

 

Ein paar Kilometer, bevor wir das Dorf erreichten, hörten wir hinter uns immer näher kommendes Sirenengeheul. Da das immer lauter wurde und offenbar aus mehreren Quellen bestand, zogen wir es vor, bei nächstbester Gelegenheit die nur drei Meter breite Straße zu verlassen und an einem kleinen ausgetrockneten Bachlauf zu warten.

 

Eine gute Entscheidung, denn keine zwei Minuten später preschten in irrem Tempo zwei Polizeimotorräder vorbei, denen eine ganze Kolonne abgedunkelter Limousinen folgte; hintendran noch ein Krankenwagen und nochmal jede Menge Polizei. Der ganze Spuk zog in Sekundenschnelle an uns vorbei. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn die uns an einer der Engstellen am Abgrund "erwischt" hätten. Später erfuhren wir dann, dass der König von Saudi-Arabien an uns vorbei gefahren ist - bestimmt jedoch nicht, um Fossilien zu suchen...

 

Da wir nun schonmal da am Straßenrand standen, machten wir wieder eine ausgedehnte Pause. Diesmal erkundete ich das Gebiet aber etwas genauer, bevor ich es als unser temporäres Revier markierte. Einen Quasimodo wollte ich nicht schon wieder treffen. Dafür fanden wir dann nach wenigen Minuten unser Fossil. Kein Brüller à la Saurierknochen oder Flugdrachen, sondern "nur" ein versteinerter Ammonit - aber eben selbst gefunden und nicht im Shop im Dorf gekauft.

 

Weiter wollten wir nicht suchen, denn das hier war klassisches Kobra-Territorium. Immer am Rand des Abgrunds lang ging es dann ins Vallée du Paradis, Paradise-Valley oder wie wir sagen würden: Ins Paradiestal. Vallée du Paradis ist keine offizielle Bezeichnung, aber das Tal hat seinen zutreffenden Namen wegen der atemberaubenden Landschaft bekommen:

 

Ein Canyon in grün, gold und rot. Hinter jeder Kurve werden einem neue unvorstellbare Eindrücke präsentiert. Das Tal wäre es wert, Weltkulturerbe zu sein.

 

Man findet das Tal zwischen Tamrahrt ou Fella und Imouzzer (korrekt eigentlich: Imouzzer Ida Ou Tanane); verfehlen kann man es nicht und bemerken wird man es ganz sicher, denn die unbeschreiblichen Eindrücke hauen einen fast um. Das Tal und die umliegenden Gebiete werden noch heute vom Berberstamm der Ida Outanane bewohnt.

 

Wenn man das Tal durchfahren hat, geht es stetig aufwärts nach Imouzzer, ein kleines Dorf in den Bergen auf ca. 1300 Meter Höhe gelegen - die Gipfel der Berge in der Umgebung sind zum Teil bis zu 4100 Meter hoch. Durch Imouzzer führt nur eine Straße und dort gibt es dann nur eine Abzweigung, beschildert mit "Cascades" (Wasserfälle). Die Wasserfälle befinden sich in knapp vier Kilometer Entfernung. Schon während der Anfahrt kann man sie eindrucksvoll von der Straße aus sehen.

 

In der Nähe von Imouzzer fragten wir einen älteren Einheimischen nach einer Wegempfehlung für die Strecke nach Tamri am Atlantik. Bevor er uns den gewünschten Hinweis gab, fragte er uns erst nach unserem aktuellen Tankinhalt und dem Wasservorrat. Nach groben Schätzungen hatten wir noch 6-8 Liter Sprit im Tank und noch vier Flaschen Wasser im Topcase. Die Transalp hatte die Bergsteigerei mit zwei Personen doch schon mit einem gehörigen Durst quittiert.

 

Der alte Mann, dessen Gesicht "ledergegerbt" und zerfurcht war wie das umliegende Gebirge, meinte, dass sechs Liter reichen müßten, aber er könne sich natürlich auch irren - Inshallah.

 

Er rief noch einen Jüngeren herbei und fragte ihn, ob sechs Liter reichen würden. Sie können, müssen aber nicht, so lautete auch dessen durchaus zutreffende, aber nicht allzu beruhigende Antwort.

 

Jedenfalls gäbe es zwei Möglichkeiten, um nach Tamri zu gelangen, meinte der alte Berber: Die kürzere der beiden Strecken (P 1000 mit 45 km Länge) ginge im ständigen Wechsel bergauf und bergab, während die längere (die P 1002 mit knapp 60 km) nur kurz einmal bergauf und dann stetig bergab verlaufen würde, dort könnten wir das Motorrad auch nötigenfalls im Leerlauf fahren lassen, meinte er.

 

Die kürzere der beiden Strecken sei auch neu und wir würden dort garantiert niemanden antreffen, der uns im Notfall helfen könne, während die längere Strecke etwas belebter sei. Also nahmen wir die längere Strecke zurück zum Atlantik und schafften sie auch. Auf dieser längeren, etwas "belebteren" Strecke trafen wir dann auch ganze zwei Autos... 

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