Reisecruiser Lowland Tour 2018
Reisecruiser Lowland Tour 2018
 
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Tour durch die Lowlands

Die "Lowlands" - wie holländische Moppedfahrer ihre Tourgebiete gerne bezeichnen - können zwar nicht mit spektakulären Pässen oder irren Kurvenpassagen dienen; eine Tour dorthin kann man aber dennoch spannend und unterhaltsam gestalten. Erst recht gilt das, wenn man mit 'nem fetten Cruiser unterwegs ist und auf sportliche Höchstleistungen durchaus verzichten kann und den Schwerpunkt stattdessen auf kulinarische und sonstige Highlights zu legen weiß.

 

Unsere diesjährige Lowland-Tour führte uns von Apeldoorn via Lauwersoog nach Harlingen; anschließend über'n Deich nach Nordholland und dann wieder südwärts via Lelystad, Amersfoort und Arnheim - rund tausend Kilometer in vier Tagen.

Fietsern in Apenheul

Affenpark in Apenheul Affenpark in Apenheul

Rund dreißig Kilometer nördlich von Arnheim liegt Apeldoorn und dort befindet sich der Affenpark Apenheul.

 

Abgesehen davon, dass sich dort einige kleinere Affenarten frei zwischen den Besuchern bewegen dürfen und dabei auch ihre Fähigkeiten als Taschendiebe zum Besten geben, findet man dort auch noch spektakuläre Gehege für Orang-Utans und Gorillas.

 

Der Affenpark kümmert sich mit den Einnahmen um Projekte in Afrika und Asien und unterhält dort vor Ort einige Auffangstationen und Reservate. Dies und die Tatsache, dass die Gehege in Apenheul wirklich riesig sind und die Tiere dort artgerecht gehalten werden, sorgte dafür, dass wir unsere ansonsten strikte Aversion gegen Zoos aufgaben und uns dies mal aus der Nähe anschauten.

 

Ein Hotel hatten wir in der Nähe gebucht. Da wir unsere Valkyrie aber nicht auf den unbewachten Parkplätzen am Affenpark abstellen wollten, nahmen wir uns zwei "Fietser" (Fahrräder) des Hotels und sind die knapp zwei Kilometer zum Park geradelt.

 

Das war zwar besser als die Strecke zu latschen, war aber immer noch eine Anstrengung für mich - und mehrere Male habe ich die Entscheidung bereut und wäre doch lieber mit dem Mopped gefahren.

Bei dem Hotel "Berg en Bos" handelt es sich um ein kleines familiengeführtes Hotel. Es besticht durch die Sauberkeit in allen Räumen und die Freundlichkeit der Inhaber. Das Frühstücksbuffet ist reichlich und lecker. Das Mopped parkt man in der Hofeinfahrt (auf Anfrage geht das sogar auf dem abgeschlossenen Grundstück). Zum Affenpark sind's rund zehn Minuten mit dem Fahrrad und rund fünfzehn Minuten bis in die Altstadt mit vielen Restaurants.

 

Die Gegend rund um Apeldoorn ist sogar noch "motorradtauglich" - soll heißen: hügelig und kurvenreich. Wie oben schon erwähnt, gibt es zwar keine Berge, aber langweilig wird's da auch nicht.

TukTuk fahren in Lauwersoog

Windmühlen ohne Ende Windmühlen ohne Ende

Am zweiten Tag brachen wir gegen acht Uhr in Richtung Norden auf. Vorbei an gefühlt hundert Windmühlen, tausend Kilometer Wasserkanälen und zig Hebebrücken erreichten wir mittags die Küste an der Nordsee.

 

Abseits touristischer Orte wird es übrigens schwierig, vor zehn oder elf Uhr irgendwo mal ein geöffnetes Café zu finden, bis kurz vor Mittag sind alle Bürgersteige in den Dörfern und Kleinstädten noch hochgeklappt. Dafür sind dann allerdings auch die Landstraßen noch schön leer und man findet wiedermal die Bestätigung, dass die entschleunigte Fortbewegung mit einem fetten Cruiser sehr viel Spaß machen kann.

 

Gegen Mittag erreichten wir jedenfalls relaxed die Nordseeküste. In Lauwersoog sollte es leckere Fischbrötchen geben und es erwartete uns ein echtes Highlight: Wir hatten uns für einen halben Tag ein TukTuk gemietet, um die dortige Gegend zu erkunden.

 

Eines vorweg: Die Fischbrötchen bei "Visser Vis", direkt im Hafen von Lauwersoog, waren in der Tat sehr lecker. Da hätte man sicher ein paar von verdrücken können. 

 

Das TukTuk  - eine umgebaute Piaggio Ape - übernahmen wir nach einer kurzen Einweisung ebenfalls im Hafen von Lauwersoog. Zunächst sind wir damit über die Hauptstraßen gedüst, was aber angesichts des Verkehrs doch nicht so toll war.

 

Nach einer kurzen Pause zogen wir es dann vor, die Nebenstraßen im Hinterland zu erfahren. Die Entscheidung war goldrichtig, denn mitten in den Feldern sahen wir plötzlich Wasserbüffel und sogar Wildpferde. Warum die Wasserbüffel Wasserbüffel heißen, wurde uns da ebenfalls schnell klar: Sie parken im Wasser...

Die frische Seeluft, die vielen Eindrücke und die leckeren Fischbrötchen machen eines: Man wird faul & müde. Leider war es aber nix mit Ausruhen, denn bis zum Etappenziel Harlingen lagen nochmal rund hundert Kilometer westwärts vor uns. Auf Grund inzwischen heftigen Regens entschieden wir uns, statt an der Küste entlang zu bummeln, nun doch lieber die neue Schnellstraße im Landesinnern zu nehmen. Gegen 19.00 Uhr trudelten wir dann im Hotel "Anna Casparii" am alten Hafen von Harlingen ein.

Das Hotel "Anna Casparii" liegt unmittelbar in erster Reihe am Hafen im Zentrum der Stadt. Ringsherum gibt es einige Restaurants, aber auch das Hotel hat sein eigenes, was durchaus zu empfehlen ist. Geparkt wird gegenüber vom Zimmerfenster direkt am Kai (Royal Star-Fahrer aufgepaßt - nach dem Kai kommt naß). Das Parken ist für Moppeds kostenlos. Nach einem Rundgang durch die kleine Altstadt, einem tollen Abendessen sowie zwei, drei Jacky's an der Hotelbar fielen wir aber müde ins Bett. Geweckt wird man morgens dann mit dem Glockenspiel am Rathaus oder spätestens vom Schiffshorn der ersten Fähre, die unweit vom Hotel ablegt.

Deichtour

Von Cornwerd bei Harlingen ging es dann am nächsten Morgen nach Den Oever. Fünfunddreißig Kilometer geradeaus über'n Deich. Für uns als ausgewiesene Landratten schon ein Erlebnis. Unter anderem verstanden wir, warum der Begriff Windstärke etwas mit Stärke zu tun hat. Es bedurfte schon einigen massiven Gegenlenkens, um die Valkyrie in der Spur zu halten - eine auf Dauer kraftraubende Angelegenheit.

Völlig beeindruckt hat mich jedoch, dass die Holländer auf der Hälfte der Strecke mal eben ne' Rast- und Tankanlage auf'n Deich gebaut haben - hier in Deutschland irgendwie undenkbar, dass wir sowas schaffen würden. Ein paar deutsche Hinterlassenschaften gab's aber dennoch zu sehen: Die übriggebliebenen Bunker des ehemaligen Westwalls. Die Anlagen kann man besichtigen, da wir davon aber schon bei unseren Normandietouren genug gesehen hatten, ließen wir sie links liegen.

 

Von Den Oever ging es dann wieder südwärts an der Küste entlang. Via Medemblik, diversen Fischerdörfern - eines davon mit Robbe im Hafenbecken - und einer weiteren Deichtour von dreißig Kilometern (ebenfalls mit großem Rastplatz auf halber Strecke) gelangten wir dann nach Lelystad. Ziel war die Bataviawerft.

Die Batavia war ein Segelschiff der Niederländischen Ostindien-Kompanie. Sie sank 1629 vor der australischen Küste. Die vor Lelystad ankernde Batavia ist ein segelfähiger, originalgetreuer Nachbau, den man besichtigen kann. Es ist sehr spannend, sich über und unter Deck umzuschauen und nachzuvollziehen, unter welchen Umständen die einfachen Matrosen damals gelebt haben; Kreuzfahrtfeeling kam da gewiß nicht auf.

 

Das Ticket für die Schiffs- und Museumsbesichtigung kostet 14 Euro - sollte man unbedingt machen, wenn man mal in Lelystad ist.

Royaler Abschluß im Hilton Royal Parc und Besuch bei Biker's Best...

In Soestduinen, westlich von Amersfoort, haben wir uns dann nochmal etwas Besonderes gegönnt: Eine Übernachtung im Hilton Royal Parc - weil es einen beheizten Swimmingpool hat. Ok, es hat auch noch einen Golfplatz, aber der interessierte uns nicht.

 

Irgendwie fahren sie da aber nicht auf normalsterbliche Moppedfahrer ab, denn wir mußten für die Übernachtung Vorkasse leisten und zusätzlich noch 25 Euro Deposit für eventuellen zusätzlichen Verzehr hinterlegen, bevor wir die Zimmerkarten bekamen. Da die hinter uns liegende Tagesetappe mit den beiden stürmischen Deichfahrten aber schon anstrengend genug war, zahlten wir stillschweigend, an statt uns stehenden Fußes ein anderes Hotel zu suchen.

 

Am nächsten Morgen sahen wir aber noch einen Harleyfahrer, der sein Golfgepäck auf'm Mopped mitschleppte - der gehörte wohl eher zur Zielgruppe als wir...

Normalsterbliche Moppedfahrer gehören wohl eher nicht zur Zielgruppe des Hilton Royal Parc Normalsterbliche Moppedfahrer gehören wohl eher nicht zur Zielgruppe des Hilton Royal Parc

Jedenfalls war der Pool tatsächlich geheizt, das Steak im Restaurant sehr empfehlenswert und die Betten so gut, dass wir am nächsten Morgen fast verschlafen hätten.

 

Das letzte Highlight auf unserer kleinen Tour durch die Lowlands war dann der Besuch bei Biker's Best in Renswoude, dem ausgewiesenen Goldwing- und Valkyrie-Spezialisten Hollands.

So hochnäsig wie man im Hilton Hotel war, so freundlich war John von Biker's Best. Kaum angekommen, stand schonmal ein Becher Kaffee parat. Nach einem ausführlichen Gespräch und Rundgang durch die Verkaufs- und Museumsräume war schnell klar: Das könnte unsere nächste Werkstatt für Inspektionen und Probleme an der Valkyrie werden. Biker's Best befindet sich in Renswoude, das sind von Köln aus auf direktem Weg gerade mal zweihundert Kilometer...

Final impressions...

Frei nach Goethe: Warum in die Ferne schweifen...? 

Man muss nicht zwingend in tausende Kilometer erntfernte Gegenden fahren, um Neues zu entdecken und Urlaubsfeeling zu erleben. Eine Rundtour durch die "Lowlands" bietet viel mehr als nur Käse von Frau Antje, Joints in Amsterdam und mehr als die bekannten Shopping-Outlets.

 

Würde man Holland rein auf die Fahrstrecken reduzieren, wäre es unter "Mopped-Gesichtspunkten" sicher nicht so attraktiv, selbst für uns nicht. Man sollte schon vorher wissen, was man abseits vom Moppedfahren noch so alles anstellen kann bzw. möchte. Wer das nicht schafft, für den könnte eine Hollandtour schon langweilig werden. Wer das aber schafft, wird mit jeder Menge toller Impressionen eines freundlichen Landes belohnt.

 

Unsere vier Tagesetappen waren jeweils rund 250 Kilometer lang. Sie endeten immer am frühen Nachmittag, sodass wir immer noch genug Zeit und Lust hatten, uns streßfrei die Highlights vor Ort anzuschauen. Die Hotels hatten wir so gewählt, dass wir immer möglichst nah am Geschehen waren, sodass wir nicht lange latschen mußten.

Hilfreiche Links zur Tour

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