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Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern?

Mit einer BMW S 1000 XR back to the roots...

Eigentlich schien die BMW-Ära für uns schon längst passé zu sein. Eigentlich. Das galt zumindest solange, bis wir während der Sardinientour unseren Mietroller in Olbia mal zwei Meter neben einer BMW S 1000 XR geparkt hatten...

BMW S 1000 XR auf Sardinien BMW S 1000 XR auf Sardinien

Ich schleiche selten um ein geparktes Mopped rum, um es von allen Seiten zu bewundern, aber die XR hatte es mir vom ersten Augenblick an angetan - und zum Glück galt für Helene dasselbe. Abgesehen davon, dass sie uns rein optisch so gut gefiel, wußten wir erstmal gar nix von ihr. Sie machte einen Eindruck, als sei sie ein flotter Tourer.

 

Kaum zurück aus Sardinien bot uns ein supergelaunter Jürgen Müller von Procar (BMW) in Köln dieses Mopped in der gewünschten Farbe und auch mit montierten Koffern kurzfristig zur Probefahrt an. Wir waren die ersten, die das niegelnagelneue Teil nach kurzer Einweisung in die verschiedenen Fahr-Modi vom Hof fahren durften.

Vom Wolf im Schafspelz zum rasenden Gepard...

Auf den ersten Blick wirkt sie nur wie ein Mix aus allem - ein bisschen SUV, n' bisschen Sport und n' bisschen Tourer. Doch das ist die S 1000 XR keinesfalls. Sie ist voll und ganz ein eigenständiges Segment.

 

Auf jeden Fall eines mit wirklich atemberaubenden Fahreigenschaften. Schon bei der S 1000 RR attestierten wir: So muss es sich anfühlen, wenn man in einer Hornet vom Flugzeugträger katapultiert wird. Wonderful: Dieser Aspekt wurde auch für die XR mehr als erfolgreich adaptiert.

 

Angefahren haben wir sie erstmal sanft und etwas zögerlich im Rain-Modus. Die Reifen waren ja genauso flatschneu wie das gesamte Mopped und die Straße war anfangs ebenfalls naß. Bei reduzierter Leistung und vorsichtiger Herangehensweise konnte man erstmal nur erahnen, was da noch kommen würde - sie war zu diesem Zeitpunkt ein Wolf im Schafspelz.

 

Als wir uns nach ein paar Kilometern eingewöhnt hatten, zündeten wir nacheinander die nächsten Raketenstufen: Den Road- bzw. danach den Dynamic-Modus. 

 

Alter Falter, was geht die ab. Beim erstenmal braucht man schon extrem lange Arme, denn das Mopped ist schneller weg als man mit dem Körper hinterherkommt. Für das Teil braucht man keinen Führerschein, sondern einen Waffenschein oder ne' Fluglizenz. Dynamic-Modus ist ganz schön untertrieben - es müßte Dynamit-Modus heißen...

 

Gefühlt ist sie in Nullkommanix jenseits der 200 km/h-Marke. Eine ganze Menge trägt dazu der neue Schaltassistent bei - sowohl beim Rauf- als auch beim Runterschalten kann man die Kupplung getrost vergessen.

 

Auch wer's nicht glaubt: Das macht einen Heidenspaß. Insbesondere dann, wenn man sich den Zeitpunkt fürs nächste Hochschalten vom Stroboskop im Cockpit anzeigen läßt. Dieses "Katapultsystem" ist allerdings nicht serienmäßig, wer's haben will, kann es einzeln oder mit dem Dynamic-Paket dazu buchen. Ganz klare Empfehlung: Der Schaltassistent gehört zwingend dazu!

 

Auf dem Papier braucht das Geschoß übrigens nur knapp drei Sekunden von null auf hundert - und gefühlt geht es genauso schnell auch wieder runter. Das teilintegrale Pro-ABS-System holt einen sicher wieder auf den Boden der Tatsachen zurück.

 

Sie reagiert hervorragend und in Bruchteilen einer Millisekunde auf alle Impulse, die das Bordpersonal gibt. Mit ihrem Leergewicht von nur 230 kg läßt sie sich dirigieren wie ein Fahrrad - jedenfalls empfindet man es so, wenn man von einem 350 kg Cruiser umsteigt.

Tourentauglichkeit als Option

BMW S 1000 XR Der nächste Reise(Sport)Tourer...

Klar, wenn man von einem fahrenden Sofa-Cruiser auf die S 1000 XR umsteigt, stellt man die Tourentauglichkeit bzw. Bequemlichkeit erstmal in Frage. Natürlich residiert man nicht in einem weichen Sattel. Doch selbst Helene attestierte der XR nach einigen Kilometern in der Eifel, dass sie die Sitzposition auch für längere Fahrten gut finden würde. Die Sitzbank bietet sehr guten Halt für beide - was auch angesichts der brachialen Fahrleistungen absolut nötig ist.

 

Die XR kann man übrigens in normaler Sitzhöhe (840 mm) oder tiefergelgt (790 mm) ordern. Wir hatten die normale Ausführung zur Verfügung und kamen damit sehr gut zurecht.

 

Das kleine Windschild kann man manuell in zwei Positionen verstellen; in aufrechter Position hält es den Fahrtwind gut vom Oberkörper ab.

 

Wie bei BMW üblich, erschließt sich die gesamte Tourentauglichkeit allerdings nicht serienmäßig, sondern erst durch Zubuchung diverser Sonderausstattungen und Zubehörpakete. Empfehlenswert sind da zumindest die Koffer, eine Gepäckbrücke sowie das Programm Dynamic-ESA, was auf Knopfdruck eine sensitive Fahrwerkseinstellung ermöglicht. Alles zusammen und noch ein bisschen mehr wird mit dem optionalen Touring-Paket geboten.

 

"Nackt" kostet die XR 15.300 Euro. Mit Dynamic- und Tourenpaket darf man rund 17.500 Euro über'n Tresen schieben.

Technische Daten

  • Flüssigkeitsgekühlter Vierzylinder-Reihenmotor
  • 999 ccm Hubraum
  • 160 PS (oder mehr) bei 11.000/min., 112 Nm bei 9.250/min
  • 6 Ganggetriebe
  • Antrieb: Kette
  • Aluminium-Brückenrahmen, Motor mittragend; vorne 46 mm Upside-down-Telegabel, Zug- und Druckstufendämpfung einstellbar (a.W. semiaktiv angesteuert), 150 mm Federweg
  • Aluminium-Zweiarmschwinge hinten, Zentralfederbein, Zugstufendämpfung und Vorspannung einstellbar, 140 mm Federweg
  • Leichtmetall-Gussräder; Reifen 120/70 R 17 (vorne) und 190/55 R 17 (hinten)
  • 320 mm Doppelscheibenbremse vorne, 265 mm Einscheibenbremse hinten; Integral-ABS (a.W. ABS-Pro)
  • Radstand 1.548 mm
  • Sitzhöhe 840 (wahlweise 790-855) mm
  • Gewicht fahrfertig 228 kg
  • Tankinhalt 20 l
  • Beschleunigung 0-100 km/h in ca. 3,1 s
  • Höchstgeschwindigkeit jenseits 250 km/h

Unser Fazit: Time to say Good-bye...

BMW S 1000 RR Das Grinsen im Gesicht sagt alles...

Wir brauchen nicht lange, um zu entscheiden, ob ein Mopped was für uns ist oder nicht.

 

Lange Zeit stand eine S 1000 RR als Zweitmopped auf dem Wunschzettel - das ließ sich leider bislang nicht realisieren. Eine RR als "Hauptmopped" stand nie zur Debatte, da sie nunmal überhaupt nicht tourentauglich ist.

 

Die S 1000 XR bietet uns jedoch den Fahrspaß und die "Granatenhaftigkeit" eines reinrassigen Sportlers, gekoppelt mit dem gewünschten Tourenkomfort.

 

Natürlich muss man in puncto reinrassiger Sportlichkeit Abstriche machen - aber mal ehrlich: Der "Ottonormalfahrer" wird solch ein Geschoß niemals in seinen Grenzbereichen bewegen (können) - weder die RR noch die XR. Auch für die XR bedarf es einer guten Portion des "sich selbst Bewußtseins" bzw. des Erkennens der eigenen persönlichen Grenzen, denn das Motorrad erweckt die Illusion als gäbe es keine...

 

Es ist der Reiz des "theoretisch Könnens", was solch' eine Granate begehrenswert macht. Fahren mit einem (älteren) Cruiser ist etwas ganz anderes. Jeder Überholvorgang will da auf Grund des Leistungsgewichtes in der Regel gut geplant sein und eine Vollbremsung quittiert ein Cruiser mit stoischer Mißachtung. Die XR reagiert beim Beschleunigen brachial und beim Bremsen absolut akurat. 

 

Eigentlich dachten wir ja, dass wir es beim Cruiser-Segment bewenden lassen und damit alt werden. Doch nach dem Ausflug mit der XR steht mal wieder fest: Man soll niemals nie sagen - Adenauer läßt grüßen: Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern...

 

Ich gebe es zu: Ich brauche wieder 160 PS unter'm Hintern, werde elektronische Spielereien wie das Dynamic-ESA lieben und niemals mehr ein Mopped ohne ABS fahren - auch wenn es sich alles um "Spielereien" handelt, die mal kaputtgehen können und dann ein tiefes schwarzes Loch in die Kasse reißen werden. 

 

In der kommenden Saison sieht man uns auf einer S 1000 XR in racingred!

 

Vielen Dank, Jürgen Müller, für die Reaktivierung des BMW-Virus. See you soon!

Infos zum Thema:

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