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Porsche auf zwei Rädern...

Yamaha XVZ 1300 Royal Star

Yamaha XVZ 1300 Royal Star by reisecruiser.de Yamaha XVZ 1300 Royal Star by reisecruiser.de

Ein Jahr hatten wir berufsbedingt keine Zeit für unser Hobby, von ein paar Teststunden auf diversen Moppeds mal abgesehen. Doch die Sucht war ständig vorhanden und inzwischen ließ unsere berufliche Planung auch wieder ein bisschen Platz für Freizeit, und so konnten wir der Sucht wieder genüßlich nachgeben.

 

Obwohl wir schon vor einem Jahr mal den Tourensportlern den Rücken kehren wollten, ist uns im weitesten Sinne doch ein Porsche unter'n Hintern gekommen. Vor vielen Jahren entwickelte Porsche ein Motorenkonzept für Harley Davidson. Dabei handelte es sich um einen wassergekühlten, hubraumstarken V-Vierzylinder. Irgendeiner hatte da aber etwas mißverstanden, denn ein schwerer V4 für eine Harley ? Wie sollten die Altmetallrahmen einen V4 aushalten? ;-)

 

Ob das der wahre Grund ist, ist nicht überliefert; jedenfalls wollte Harley den Motor schließlich doch nicht. Man entschied, langfristig der Philosophie des luftgekühlten V-Twin treu bleiben zu wollen. Der US-Ableger von Yamaha sicherte sich später die Verwertungsrechte, entwickelte das Konzept weiter und baute es seither erfolgreich in verschiedene Motorradtypen ein. Und jetzt steht eins davon hier - unsere in Kalifornien gebaute Royal Star XVZ 1300.

Weniger ist manchmal mehr...

Yamaha mit Porsche-Gen | Reisecruiser.de Yamaha mit Porsche-Gen...

Ausschlaggebend für den Kauf war für uns u.a. auch das Metall.

 

Wir wollten uns jetzt mal von den neumodischen Plastikbombern abwenden und stattdessen etwas besitzen, was auch wieder wie ein Motorrad im ursprünglichen Sinne aussieht und sich so anfühlt.

 

Bei der 1300er Royal Star liegt das Verhältnis von Metall vs. Plastik genau andersherum als bei modernen Tourenmoppeds. 

 

Der nächste Kaufgrund war das Fehlen jeglicher moderner Elektronik-  und Managementsysteme - wer sich mal in einer Fachwerkstatt über den Preis für den Austausch eines ABS-Steuergerätes oder eine Störung im Can-Bus-System unterhalten mußte, weiß, wovon ich rede. Abgesehen davon, dass eine Störung nicht nur teuer ist, ist meist auch das Mopped noch nichtmal mehr fahrfähig. Die Royal Star hat von all dem nix, oder, einfach gesagt: Wat' nich' da is', kann auch nich' kaputtgehen...;-) und der V4 soll bei guter Pflege nahezu unkaputtbar sein. In den USA laufen Maschinen, die mehr als 500.000 Meilen auf dem Buckel haben. Weniger ist eben manchmal mehr.

 

Last but not least sollte es dieses Mal ein gemütlicher Cruiser werden und zwar einer, der keine einfache Harley-Kopie ist. Das, so finden wir, ist Yamaha bzw. dem amerikanischen Yamaha-Ableger Star Motorcycles sehr gut gelungen. Einen V4 sucht man bei Harley auch heute noch vergebens im Programm...

Yamaha XVZ 1300 Royal Star | reisecruiser.de Yamaha XVZ 1300 Royal Star

Majestätischer Auftritt...

Unsere Royal Star verzichtet auf Hightech und elektronische Spielereien, ist aber in anderem Sinne dafür "königlich" ausgestattet - soll heißen: Wir vermissen nix, was wir jetzt noch hinzukaufen müßten. Zusatzscheinwerfer, Scheibe, Trittbretter, Komfortsitze, Koffer bzw. Taschen, Stahlflexleitungen und Wirth-Federn wurden vom Vorbesitzer bereits montiert. 

 

Auch wenn der Motor Porsche-Gene hat, Geschwindigkeitsrekorde sind von ihr natürlich nicht zu erwarten; noch nichtmal beim Beschleunigen an der Ampel. Alles geht jetzt geruhsamer, dafür wesentlich majestätischer - eben so, wie es die königliche Typen-Bezeichnung ja schon vermuten läßt. Unvergleichlich ist Ihr Sound - unnvergleichlich, weil sie mit den anderen, von uns bisher gefahrenen Cruisern einfach nicht zu vergleichen ist. Beim Startvorgang erinnert sie schon ein wenig an Porsche; allerdings nicht an deren Sportwagenabteilung, sondern an die längst bei Großstädtern vergessene Traktorenabteilung. 

Porsche "Rotnase" Porsche "Rotnase"

Ja, Porsche baute in den 50er und 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts eben auch Traktoren (die berühmten "Rotnasen"). Drückt man den Startschalter, erweckt die Royal Star gemütlich zum Leben. Sie schüttelt sich ein paarmal, spuckt und hustet und dann ist sie da. Sie blubbert im Stand aus ihren vier Endtöpfen sanft vor sich hin und beim Gasgeben endet es noch vor der Grauzone zwischen "geilem Sound" und "Genervtsein der Anwohner"; also alles im grünen Bereich.

 

Wer sich nicht schon von Vornherein darüber im Klaren sein sollte, merkt auf den ersten Kilometern natürlich schnell, dass es sich hier um ein völlig anderes Fahrgefühl handelt. Die Royal Star ist zunächstmal ein Mix aus allen bisher von uns getesteten Cruisern. 

 

Die 330kg Leergewicht und die Länge von deutlich über 2,50 m wollen erstmal gehändelt werden. Aber auch das ist weniger spektakulär, denn wenn se' rollt, dann rollt se'. Unaufhaltsam, wie ein Shermanpanzer - oder eben eine Rotnase. In einem der alten Testberichte hatte ich gelesen, dass die Royal Star in den Kurven mit überdeutlicher Macht zur Außenseite drängen würde - auf den ersten tausend Kilometern habe ich davon bislang aber nix gemerkt. Sie will den Fliehkräften folgen wie jedes andere Mopped auch, nicht mehr und nicht weniger.

Royal Helene, Royal Atze und die Royal Star... Royal Helene, Royal Atze und die Royal Star...

Wie ein guter Wein: Die Royal Star...

...unsere Royal Star aus Amerika ...unsere Royal Star aus Amerika

Nach rund sechstausend Kilometern ist die Royal Star bei uns angekommen - oder wir bei ihr, wie man's nimmt.

 

Zwei längere Touren haben wir mit ihr bereits unternommen, ein freundlicher Franzose gab ihr den Namen "la rouge" und beim Bikerpitter in Schuld fand auch schon längst die bei uns obligatorische "Kölsch-Taufe" statt. 

 

Sie macht wirklich sehr viel Spaß. Lediglich auf der Ostfrieslandtour gab es eine bemerkenswerte Differenz zwischen ihrer und unserer Auffassung, was die Restreichweite betraf - aber auch dies war mehr meiner eigenen Dusseligkeit zuzuschreiben.

 

Die deutlich geringere Leistung im Vergleich zu unseren Vorgänger-Moppeds (BMW K 1200er) machte uns nix mehr aus. Dafür wurden wir mit deutlich relaxteren Fahrten belohnt - und das war bzw. ist ja das, was unter anderem mit kaufentscheidend war.

Time to say goodbye...

Ende 2015 war es dann soweit: Die RS hat uns über 30.000 Kilometer überall hingefahren. Sie stand noch da wie 'ne 1 - doch es war klar, dass dies nicht ewig so bleiben würde; irgendwann würden auch bei ihr die ersten Restaurationsarbeiten nötig werden und da wir keine Schrauber sind, würde dies zwangsläufig teure Werkstattaufenthalte bedeuten.

 

Ein weiteres Zeichen bekamen wir vom TÜV. Jahrelang ging die RS problemlos durch, wie man so sagt. Doch auf einmal war alles anders: Die US-Blinker wurden moniert, fehlende E-Nummern auf der (Original-)Windschutzscheibe bemängelt etc. pp. - nur mit Ach und Krach bekamen wir nochmal eine neue Plakette.

 

Lange Rede, kurzer Sinn: Frisch "getüvt" und mit neuen Ölen versehen trat unsere Royal Star dann ihre Reise ins Saarland an, wo sie jetzt bei einem Sammler ihr wohlverdientes Rentnerdasein genießen kann...

 

Maach' et joot...

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